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Bund der Vertriebenen:Designierter Präsident will engeren Dialog mit Polen

Pk Bund der Vertriebenen

Generationswechsel beim Bund der Vertriebenen - Bernd Fabritius soll Erika Steinbach nachfolgen.

(Foto: dpa)
  • Am Freitag soll Bernd Fabritius zum Präsidenten des BdV gewählt werden. Er kündigt an, sich für einen stärkeren Ausgleich mit Polen einzusetzen und bezeichnet finanzielle Entschädigungen nicht mehr als vorrangiges Ziel.
  • Seine Vorgängerin Erika Steinbach kritisiert das Nachbarland. Sie habe vergeblich "beide Hände nach Polen ausgestreckt".

Finanzielle Forderungen belasten das Verhältnis zwischen BdV und Polen

Der designierte Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), Bernd Fabritius, will sich für einen engeren Dialog mit Polen einsetzen. Dies gelte für die heute noch in Polen lebenden Deutschen, aber auch für "die Repräsentanten des offiziellen Polens", sagte Fabritius in Berlin. Sowohl er als auch die scheidende Präsidentin Erika Steinbach hoben hervor, der BdV engagiere sich nicht nur für deutschstämmige Vertriebene und Aussiedler, sondern auch für heutige Flüchtlinge und Vertriebene aus allen Teilen der Welt.

Der CSU-Politiker Fabritius soll am Freitag zum Nachfolger der langjährigen BdV-Präsidentin Steinbach (CDU) gewählt werden. Diese sagte in Berlin, auch sie habe wiederholt "beide Hände nach Polen ausgestreckt", dies habe aber nichts genützt. Das Verhältnis des BdV zu Polen ist seit Jahrzehnten belastet - unter anderem durch tatsächliche oder vermeintliche Forderungen aus den Reihen der Vertriebenen nach Entschädigungen für nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten Besitz.

Fabritius sagte dazu, es gehe vor diesem Hintergrund darum, "überhaupt einen Dialog in Gang kommen zu lassen". Dabei werde es jetzt im 21. Jahrhundert "nicht mehr vorrangig um materiellen Ausgleich" gehen. Ziel der Verbliebenen bleibe aber eine Rehabilitierung von dem "unerträglichen Vorwurf", sie seien selbst an ihrem Schicksal schuld. Dies solle "in einem freundschaftlichen Dialog" geklärt werden.

Fabritius äußerte die Hoffnung, dass der Generationswechsel beim BdV zu einem Ende von "Feindbilddenken" auf polnischer Seite beitragen werde. Er verwies auf positive Signale von Seiten des polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski, der im September im Deutschen Bundestag von einer deutsch-polnischen Verantwortungsgemeinschaft gesprochen hatte. Fabritius wies darauf hin, dass Komorowski einst selbst aus dem Baltikum vertrieben worden sei und daher "Empathie für das Schicksal von Vertriebenen" mitbringe.

Fabritius mahnt Bekämpfung von Fluchtursachen an

Mit Blick auf die heutigen Fluchtbewegungen unter anderem aus Afghanistan, Irak und Syrien wiesen Steinbach und Fabritius darauf hin, dass die bundesweit 13 Beratungsstellen des BdV auch diesen Menschen offen stünden. "Viele Vertriebene der heutigen Zeit nehmen diese Beratung in Anspruch, weil sie zu Recht von uns Empathie erwarten können", sagte Fabritius. Der Schwerpunkt der Beratungen liegt demnach aber weiterhin bei Aussiedlern aus Russland und anderen osteuropäischen Staaten, weil die Berater beim BdV viele dieser Sprachen beherrschen. "Wir beschränken uns nicht darauf, uns im eigenen Schicksal zu vergraben", sagte dazu Steinbach. Vertreibung sei "leider auch ein Thema von heute".

Fabritius mahnte in diesem Zusammenhang allerdings auch eine Bekämpfung der Fluchtursachen an. Die Mitgliederzahl der dem BdV angeschlossenen Vertriebenenverbände ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. Sie liegt derzeit laut Steinbach bei etwa 1,3 Millionen. Sie und Fabritius hoben aber hervor, die Aufgaben des Verbandes hätten sich keineswegs erledigt.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/mane/ebri
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