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Bildung:Lichtblick

Keine Überraschung: In der betrieblichen Bildung ist Deutschland laut OECD Weltspitze. Auch keine Überraschung: Das deutsche Schulsystem hinkt, was die Digitalisierung betrifft, weit hinterher. Ist die Pandemie nun Anlass, endlich aufzuholen?

Von Henrike Roßbach

Von "Licht und Schatten" zu sprechen, wenn es um die Vermessung eines Politikfeldes geht, ist ein bisschen langweilig. Aus dem jüngsten OECD-Bericht zur Bildung in den Industrieländern aber kann man keinen anderen Schluss ziehen als den, dass es in Sachen Schule, Ausbildung, Hochschule und frühkindlicher Bildung hierzulande zwar noch einige schattige Plätzchen gibt - aber durchaus auch eitel Sonnenschein.

Die beste Wetterlage herrscht, was keine Überraschung ist, in der betrieblichen Bildung. Das deutsche System der dualen Ausbildung ist ein sehr gutes, was auch die OECD so sieht - die eigentlich eine Vorliebe für hohe Akademikerraten hat. Wie gut Deutschland in der beruflichen Bildung dasteht, zeigen auch die überdurchschnittlich hohen Ausgaben für einen Ausbildungsplatz, was vor allem den ausbildenden Unternehmen zu verdanken ist.

Was dagegen ordentlich Schatten wirft in Deutschland, wurde durch die Corona-Krise sichtbarer denn je: Technologisch sind die meisten Schulen nicht angekommen im 21. Jahrhundert. Vielen Lehrern fehlen die Kenntnisse, um digitale Lehrmethoden anzuwenden, von der Hardware ganz zu schweigen. Die Schulschließungen hatten deshalb dramatische Folgen. Vielleicht ist die Pandemie nun der notwendige Weckruf. Das wäre dann - ein Lichtblick.

© SZ vom 09.09.2020
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