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Deutschland:Jeder Fünfte hat einen Migrationshintergrund

Gedränge und großer Besucherandrang in der Fußgängerzone und Einkaufsstraße Zeil in Frankfurt Hesse

Passanten in der Franfurter Fußgängerzone. 2014 lebten hierzulande 10,9 Millionen Menschen, die aus dem Ausland zugezogen sind.

(Foto: imago/Ralph Peters)
  • Immer mehr Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Mittlerweile ist es etwa jeder Fünfte.
  • Grund dafür ist vor allem die wachsende Zahl der Einwanderer. Vor allem die Zahl der Einwanderer aus Ländern der Europäischen Union steigt deutlich an.
  • Ein großer Teil der Einwanderer hat einen Hochschulabschluss.

Migrationshintergrund, aber deutscher Pass

Immer mehr Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund, inzwischen gut jeder Fünfte (20,3 Prozent) der knapp 81 Millionen Menschen, die in Deutschland leben. Mehr als die Hälfte von ihnen (56,0 Prozent) besitzt einen deutschen Pass. Demgegenüber ist der Anteil der Bevölkerung ohne Einwanderungshintergrund seit 2011 um 885 000 zurückgegangen.

Die Zahl der Einwanderer in Deutschland ist auf ein Rekordhoch gestiegen. 2014 lebten hierzulande 10,9 Millionen Menschen, die aus dem Ausland zugezogen waren. Im Vergleich zu 2011 sind das eine Million Menschen beziehungweise 10,6 Prozent mehr. Zugleich spiegelt die Erhebung des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005 wider.

Woher die Einwanderer kommen

Besonders deutlich ist die Zahl von Einwanderern aus Ländern der Europäischen Union gestiegen. 2014 lebten 620 000 Menschen aus anderen EU-Staaten mehr in Deutschland als 2011. Besonders viele Migranten kamen aus Polen, Rumänien, Italien, Bulgarien und Ungarn. Bei Einwanderern mit Wurzeln im außereuropäischen Ausland nahm vor allem die Zahl der Menschen aus China, Syrien und Indien deutlich zu.

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Seit 2011 verzeichnet das Statistische Bundesamt einen signifikanten Zuwachs an Zuwanderern. Die jährliche Steigerungsrate liegt seitdem bei mehr als drei Prozent pro Jahr.

Welchen Bildungshintergrund die Einwanderer haben

Der Bildungsstand der zugezogenen Bevölkerung hat sich im Vergleich zu früheren Jahren deutlich verändert, wie die Statistikbehörde mitteilt. Das zeigte der Vergleich der Personen im Alter von 25 bis 35 Jahren. Verfügten von den bis 1990 nach Deutschland eingewanderten Menschen nur etwa 18 Prozent über einen Hochschulabschluss, so haben knapp 44 Prozent der seit 2011 Zugezogenen diesen Bildungsabschluss. Das ist ein deutlich höherer Anteil als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund, von der nur etwa 24 Prozent einen Hochschulabschluss haben.

Auf der anderen Seite hatten allerdings knapp 28 Prozent der seit 2011 Zugewanderten keinen Berufsabschluss - deutlich mehr als Personen ohne Migrationshintergrund (etwa neun Prozent).

Bei der Schulbildung zeigt sich ein ähnliches Bild: Rund 62 Prozent der seit 2011 eingereisten Migrantinnen und Migranten im Alter von 25 bis 35 Jahren hatten eine Hochschulzugangsberechtigung, bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund waren es nur etwa 47 Prozent. Demgegenüber besaßen acht Prozent der Migrantinnen und Migranten keinen Schulabschluss, während es bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund nur knapp zwei Prozent waren.

Warum Einwanderer nach Deutschland kommen

2014 wurden Einwanderer zudem zu ihren Migrationsmotiven befragt. Die Zahlen sind der Behörde zufolge allerdings nur beschränkt aussagefähig. Sie beruhen auf einer Stichprobe (etwa 0,1 Prozent), ihre Beantwortung war freiwillig. Befragt wurden Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die seit 1960 nach Deutschland eingewandert sind.

Bezogen auf diesen Einwanderungszeitraum war bei den Befragten die Familienzusammenführung der wichtigste Einwanderungsgrund (37 Prozent), gefolgt von der Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland (knapp 18 Prozent).

In den vergangenen Jahren hat sich das allerdings gewandelt. Seit 2008 ist nach dem Ergebnis der Stichprobe der wichtigste Einwanderungsgrund die Aufnahme einer Arbeit in Deutschland (etwa 28 Prozent). Eine Mehrheit (fast 57 Prozent) hatte zum Zeitpunkt der Einreise bereits einen Job in Deutschland.

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