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Besuch im Gaza-Streifen:Die Hamas feiert den Emir von Katar

Erstmals seit der Machtübernahme der radikalislamischen Hamas hat ein Staatschef den Gazastreifen besucht. Der Emir von Katar startete Bauprojekte für Hunderte Millionen Dollar. Hamas-Regierungschef Hanija nannte das Ereignis "historisch". Die gemäßigten Kräfte um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland kritisierten den Besuch scharf.

Erster Besuch eines Staatschefs seit der Machtübernehme der Hamas: Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani (vorne rechts) wird von Hamas-Regierungschef Ismail Hanija (vorne links) mit militärischen Ehren empfangen.

(Foto: AFP)

Der Emir von Katar hat den Gazastreifen besucht und damit die internationale Isolation des von der Hamas regierten Palästinensergebietes durchbrochen. Es war der erste Besuch eines Staatsoberhaupts im Gazastreifen seit der Machtübernahme der Hamas vor fünf Jahren. Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani überquerte am Vormittag von Ägypten aus den Grenzübergang Rafah. Live-Bilder des TV-Senders Al-Dschasira zeigten, wie der Emir bei seiner Ankunft Hamas-Regierungschef Ismail Hanija umarmte und mit militärischen Ehren empfangen wurde.

Die Ankunft des Emirs sei ein "historisches Ereignis". Andere arabische Staatschefs sollten seinem Beispiel folgen, sagte Hanija. Al-Thani reiste von Ägypten aus in den Gazastreifen, wo er an der Spitze einer großen Delegation humanitäre Aufbau-Projekte im Wert von rund 250 Millionen Dollar offiziell startete. Dazu gehört der Bau von Straßen, Wohnhäusern und eines Krankenhauses. Aus den Lautsprechern der Moscheen wurden die Menschen aufgerufen, die Straßen zu säumen.

Al-Thani, der den Aufstand in Libyen beförderte und die Unterstützung der arabischen Staaten für die Rebellen in Syrien anführt, dürfte mit dem Besuch aber auch das Ziel verfolgen, die im Westen als terroristische Organisation eingestufte Hamas dem iranischen Einfluss zu entziehen.

Bei den gemäßigten Kräften um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland stieß der Besuch jedoch auf Kritik. Eine Vertiefung der Spaltung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland sei "sehr gefährlich", hatte Abbas bei einem Treffen mit al-Thani am Sonntag gesagt.

Die Hamas hatte die Fatah von Abbas im Juni 2007 in einem Bruderkrieg im Gazastreifen entmachtet. Versöhnungsbemühungen kamen über Absichtsbekundungen nicht hinaus. Die radikalislamische Hamas ist international weitgehend isoliert, weil sie den Staat Israel nicht anerkennt.

In Israel wird die Visite als Bestätigung des wachsenden Einflusses der Muslimbruderschaft - der Dachbewegung der Hamas - gesehen. seit dem Beginn der Aufstände im vergangenen Jahr gesehen. Nach den Aufständen in der arabischen Welt im vergangenen jahr haben islamistische Gruppen in der gesamten Region an Bedeutung gewonnen.

Kurz vor der Ankunft des Emirs hat es am Grenzzaun zwischen Israel und dem Gazasteifen einen Zwischenfall gegeben: Militante Palästinenser hätten einen israelischen Soldaten dabei schwer verletzt, wie das israelische Militär auf Anfrage bestätigte. Ob Israel trotz des Besuchs militärisch auf den Anschlag reagieren würde, war unklar. Die Beziehungen zwischen Israel und Katar gelten als gut.