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Bespitzelung von DDR-Bürgern:Interesse an Stasi-Unterlagen gestiegen

Stasi-Akten

Akten mit dem Aufdruck 'MfS' für Ministerium für Staatssicherheit in der Berliner Behörde.

(Foto: dpa)

Was steht in den Stasi-Akten? Das wollen die Deutschen auch mehr als 20 Jahre nach der Wende immer noch wissen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Interesse an den Dokumenten 2012 wieder gestiegen. Noch heute suchen viele Menschen Gewissheit.

Die gesammelten Stasi-Akten sind mehrere Kilometer lang - und interessieren die Deutschen noch immer. Auch mehr als 20 Jahre nach der politischen Wende wollen die Bundesbürger die Spitzelberichte des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit einsehen.

Wie die Stasi-Unterlagen-Behörde mitteilte, gingen 2012 mehr 88.231 Anträge auf persönliche Aktenansicht ein. Das waren 7620 mehr als im Vorjahr. Seit 1992 wurden nach Angaben der Behörde insgesamt etwa 6,8 Millionen Anträge auf Akteneinsicht gestellt; 2,9 Millionen davon bezogen sich auf persönliche Akteneinsicht. Das Interesse sei seit 2006 auf anhaltend hohem Niveau. Es liege im Schnitt um mehr als 1000 Anträge über den Antragszahlen der Jahre 2002 bis 2005.

"Die Menschen suchen nach Gewissheit"

Behördenleiter Rüdiger Sielaff sprach von einem "Phänomen". Als Gründe für das starke Interesse über Jahrzehnte nannte er Aspekte von Neugier bis zu tiefer Betroffenheit.

Die Außenstelle verwaltet 7,7 Kilometer Akten und etwa 1,7 Millionen Karteikarten sowie etwa 1500 Säcke mit zerrissenem Material. Die Unterlagen stammen von den Bezirksverwaltungen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit in Frankfurt an der Oder und Cottbus. Die Akten des Bezirks Potsdam lagern seit 2009 in Berlin.

Sielaff sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, viele Bürger benötigten Abstand, um sich mit den Akten auseinanderzusetzen. "Die Menschen suchen nach Gewissheit. Manche fühlten sich früher nicht betroffen, wollen nun aber doch wissen, was in den Akten steht." Unter den Interessenten seien viele Rentner, die nun Zeit hätten, ihr Leben aufzuarbeiten. "Manch einer will einen blinden, schwarzen Fleck in seiner Biografie erhellt wissen."

© dpa/AFP/fzg/mkoh/mane

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