Berlin Merkel nimmt Platz

Beim Empfang der dänischen Ministerpräsidentin weist die Kanzlerin Spekulationen über ihren Gesundheitszustand zurück.

Von Daniel Brössler, Berlin

Merkel mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Spekulationen über ihren Gesundheitszustand noch einmal nachdrücklich zurückgewiesen. "Sie dürfen davon ausgehen, dass ich erstens um die Verantwortung meines Amtes weiß und deshalb auch dementsprechend handle, auch was meine Gesundheit anbelangt, und zweitens dürfen Sie davon ausgehen, dass ich auch als Mensch ein großes persönliches Interesse daran habe, dass ich gesund bin und auf meine Gesundheit achte", antwortete Merkel am Donnerstag auf eine entsprechende Nachfrage.

Zuvor hatte die Bundeskanzlerin die Zeremonie zur Begrüßung der neuen dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen mit militärischen Ehren im Hof des Kanzleramtes in Berlin entgegen protokollarischer Gepflogenheiten erstmals im Sitzen absolviert. Auch ihr dänischer Gast saß während des Abspielens der beiden Nationalhymnen auf einem der vorbereiteten Stühle. Zittern musste die Kanzlerin diesmal nicht. Sie habe Merkel genauso "stark und kompetent" erlebt wie kürzlich während des Marathon-Gipfels um das EU-Personalpaket in Brüssel, betonte die dänische Regierungschefin Frederiksen.

Bei der Begrüßung des finnischen Regierungschefs Antti Rinne mit militärischen Ehren hatte Merkel am Mittwoch zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen stark zu zittern begonnen und danach klargestellt, dass es keinen Anlass zur Sorge um ihre Gesundheit gebe. Ihr gehe es "sehr gut", sie befinde sich aber noch in der "Verarbeitungsphase" des ersten Vorfalls Mitte Juni beim Antrittsbesuch des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij. Damals hatte Merkel ihr Zittern mit Wassermangel bei der großen Hitze erklärt. Wenige Tage danach begann sie bei der Ernennung der neuen Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue erneut stark zu zittern, was mit der Erinnerung an den ersten Vorfall erklärt wurde. Bei der anschließenden Reise zum G-20-Gipfel ins japanische Osaka und während des dramatischen EU-Gipfels in Brüssel kam es dann zu keinen derartigen Problemen.

Quer durch die Parteien hielten sich Politiker am Donnerstag mit Stellungnahmen zum Gesundheitszustand der Kanzlerin zurück. Eine Ausnahme machte Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP). "Da sich die Kanzlerin hoffentlich einem klinischen Generalcheck unterzogen hat, dürfte es ein Leichtes sein, Entwarnung zu geben", sagte er der Bild-Zeitung. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Bundestag, Marco Buschmann, hatte zuvor getwittert: "Zu #Zitteranfall gibt es nur eins zu sagen: Gute Besserung! Alles andere gehört sich nicht."

In den nächsten Tagen will Merkel wie geplant ein dichtes Programm absolvieren. So wird sie an diesem Sonntag auf Einladung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit weiteren Regierungschefs an der traditionellen Militärparade zum Nationalfeiertag in Paris teilnehmen. Am Montag sind Besuche der Kanzlerin in Görlitz und Dresden geplant. An diesem Mittwoch wird Merkel 65 Jahre alt. Ihr sei bewusst, "dass man nicht jünger wird", sagte sie. Alles habe aber auch "seine guten Seiten".