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Belarus:In Russlands Arme

Sowohl Staatschef Lukaschenko als auch die Protestbewegung müssen versuchen, den Machtkampf schnell zu entscheiden. Denn schon lauert Moskau darauf, von den Unruhen zu profitieren. Ein instabiles Belarus kommt dem Kreml gerade recht.

Von Stefan Kornelius

Nach der dritten Protestnacht in Folge driftet Belarus in den Zustand der offenen Repression ab. Scharfe Schüsse, Massenverhaftungen, Willkür, Polizeiprügel - der diktatorische Staat zeigt ohne Hemmung die Härte, die er ansonsten nur verdeckt verabreicht. Bemerkenswert dabei ist, dass sich der Protest nicht nur in der Hauptstadt entlädt, sondern auch landesweit aufflammt. Die um ihren Wahlerfolg betrogene Opposition ist groß, sie weiß um ihre Macht und Chance.

Nun beginnt ein Lauf gegen die Uhr, denn sowohl die Demonstranten als auch Staatschef Alexander Lukaschenko müssen den Machtkampf schnell für sich entscheiden, wenn sie nicht dem dritten Spieler Tür und Tor öffnen wollen: Russland - dem eigentlichen Profiteur der Unruhen.

Nach Georgien und der Ukraine setzt nun Belarus den Schlussstein in der Kette instabiler Nachbarn. Moskau profitiert von diesen Unruheherden an seiner Peripherie, weil es dort seinen Einfluss ausspielt und Abhängigkeiten vergrößert. Lukaschenko war sich immer der tödlichen Umarmung durch Russland bewusst, nun fordert er sie mit seiner Repression geradezu heraus. Die Demokratiebewegung hat noch mehr zu befürchten. Ihren Erfolg wird Russland zu verhindern wissen, denn nichts führt im Kreml zu mehr Angst als das Virus der Demokratie an der Landesgrenze.

© SZ vom 13.08.2020

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