bedeckt München 30°

Beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg:Schütteltanz der Arbeiterbienen

Rundgang 3: Inhalte. Beckstein ruft, dass er vorhin furchtbar erschrocken sei, weil er draußen Bundesumweltminister Jürgen Trittin gesehen habe. Aber gleich hinter Trittin seien ja die Dirndl- und die Spargelköniginnen gegangen. Da sei er, Beckstein, sehr erleichtert gewesen, "dass es hier noch gute und schöne Leute gibt".

Nutzte seinen Heimvorteil - Bayerns Inneminister Günther Beckstein.

(Foto: Foto: ddp)

Das ist der erste große Lacher über den sich rasch leerenden Bierkrügen im überquellenden CSU-Zelt. Später wird weitaus weniger gelacht, denn Beckstein warnt davor, dass Europa bald "an den Irak oder den Iran" grenzen könnte.

Besonders dann, wenn die Türkei EU-Mitglied wird. Auch fordert er: "Wer nicht Deutsch lernen möchte, der ist bei uns auf Dauer nicht willkommen." Großer Applaus. Nun wird es für den Reporter immer schwerer, sich gegen die CSU-Massen an die frische Luft zu drücken. Wo war gleich noch einmal das SPD-Zelt? Gegenüber dem Magenbrot-Stand.

"Nicht mehr alle Tassen im Schrank"

Schon von Ferne hört man Franz Müntefering rufen, die CDU habe "nicht mehr alle Tassen im Schrank" und die FDP gehöre "ins Bonner Haus der Geschichte". Warum, das ist in der dünstenden Menge leider nur sehr schwer auszumachen.

Die Zeit drängt, die Menschen drängen, und Westerwelle und Trittin drängen auch. Also ab ins Weinzelt, wo Westerwelle gerade das SPD-PDS-Gespenst spuken lässt: "Wenn Sie Schwarz-Gelb keine Mehrheit geben, dann wird es eine Verbrüderung der Linken geben". Hilfe. Trittin glaubt sich bei Unionsberater Heinrich von Pierer, der die Restlaufzeiten von Atomkraftwerken verlängern möchte, derweil an Erich Honecker erinnert. "Der hat auch seine Kraftwerke laufen lassen, bis sie zusammengebrochen sind."

Abgang. Auf dem Weg zum Bahnhof fühlt man sich wie nach einem missglückten Fernsehabend, bei dem man zwar alles gleichzeitig, aber nichts richtig gesehen hat. Die Zeit ist gleich lang, aber nicht gleich nützlich, steht auf dem Haus am Bahnhof. Ein Satz des Erzählers Andersen aus Dänemark. Und, das ist bekannt, Dänen lügen nicht.

© SZ vom 6.9.2005
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB