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Autohersteller:USA drohen mit hohen Strafzöllen

Präsident Trump lässt eine Verzehnfachung der Abgaben prüfen - am härtesten getroffen würde die deutsche Industrie.

Mit der Androhung hoher Zölle auf Autoimporte treibt US-Präsident Donald Trump den Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und ihren wichtigsten Handelspartnern weiter auf die Spitze. Trump wies das Wirtschaftsministerium an zu prüfen, ob die hohe Zahl importierter Pkw die Leistungsfähigkeit der US-Industrie und damit die nationale Sicherheit bedroht. Sollte das Ministerium tatsächlich zu diesem Ergebnis kommen, schwebt dem Präsidenten eine Verzehnfachung des bisherigen Zollsatzes auf 25 Prozent vor. Die Prüfung kann allerdings viele Monate dauern. 2017 importierten die USA Autos im Wert von fast 180 Milliarden Dollar - 16 Prozent mehr als noch 2013.

Damit eröffnet Trump eine neue Front im Handelsstreit, die vor allem für Deutschland, Japan und Südkorea weitaus bedrohlicher ist als die bisher angepeilte Abgabe auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren. Laut Münchner Ifo-Institut würde ein Autozoll von 25 Prozent allein die Bundesrepublik fünf Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung kosten. "Kein Land hätte höhere absolute Verluste zu befürchten als Deutschland", hieß es. Die USA dagegen könnten mit mehr Wachstum sowie höheren Staatseinnahmen von "mehreren Dutzend Milliarden Euro" rechnen - allerdings zu Lasten der eigenen Bürger: Auf diese kämen Preiserhöhungen von rund 20 Prozent zu.

Der Prüfauftrag des Präsidenten löste entsprechend nicht nur im Ausland, sondern auch daheim teils harsche Reaktionen aus. "Pkw-Importe als Bedrohung der nationalen Sicherheit einzustufen, wäre ein selbst verschuldetes wirtschaftliches Desaster für die US-Verbraucher, die Autohäuser und deren Beschäftigte", sagte Cody Lusk, Chef des Amerikanischen Verbands Internationaler Automobilhändler. Trump jedoch ist es seit jeher ein Dorn im Auge, dass in den USA viel mehr europäische und asiatische Autos verkauft werden als amerikanische Pkw im Ausland. Daran sind die US-Hersteller allerdings selbst mitschuldig, weil sie sich seit Jahren auf den Bau der lukrativen, im Inland besonders beliebten Sportgeländewagen konzentrieren. Trump dürfte bei seinen Überlegungen vor allem die Kongresswahlen im November im Auge haben. Bei seiner eigenen Wahl im Jahr im Herbst 2016 hatten die Siege in "Auto-Bundesstaaten" wie Michigan und Ohio den Ausschlag gegeben.

Die EU-Kommission reagierte verärgert auf den US-Beschluss. Es sei "sehr schwer vorstellbar", dass Pkw aus Europa die nationale Sicherheit der USA bedrohten, sagte Vizepräsident Jyrki Katainen. Auch verstießen solche Zölle gegen internationale Handelsregeln. Die EU sei zwar bereit, über eine Senkung des eigenen Auto-Importzolls von zehn Prozent zu verhandeln - aber nur, wenn Europa nach Ablauf der bisherigen Ausnahmeregelung am 1. Juni dauerhaft von den ebenfalls geplanten US-Stahlzöllen ausgenommen werde. Danach sieht es allerdings immer weniger aus. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte, man könne "nicht unter Bedrohungen verhandeln". Sein Berliner Kollege Peter Altmaier äußerte sich zunächst nicht.

© SZ vom 25.05.2018
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