Aufarbeitung pädophiler Einflüsse:Das Gebaren der Grünen ist jämmerlich

Dass die Grünen ihre pädophile Vergangenheit aufarbeiten, verdient Lob. Doch eine wissenschaftliche Studie hätte es wirklich nicht gebraucht, um herauszufinden, dass sich die Partei 1980 für die Legalisierung von Sex mit Minderjährigen ausgesprochen hatte. Ihre Verteidigungslinie ist damit hinfällig.

Ein Kommentar von Nico Fried

Die Grünen haben jüngst richtig entschieden: Sie beauftragten einen gelernten Historiker, das zu untersuchen, was leichthin ihre pädophile Vergangenheit genannt wird. Die Grünen sind damit anderen Institutionen voraus, was die Bereitschaft betrifft, sich einer heiklen Geschichte zu stellen.

So sicher, wie das Ergebnis nicht lauten wird, dass alle Grünen Päderasten sind, so sicher kann man übrigens auch schon sagen, dass andere Parteien nicht vor Pädophilen gefeit sind, nur weil sie nie deren Entkriminalisierung gefordert haben.

Aber bleiben wir bei den Grünen. Ihre historische Aufarbeitung ist lobenswert, ihr politisches Gebaren jämmerlich. Bedurfte es wirklich einer wissenschaftlichen Studie für die Feststellung, dass sich die Partei im ersten Grundsatzprogramm von 1980 für eine Legalisierung sexueller Beziehungen von Erwachsenen mit Minderjährigen aussprach? Ein Blick ins hauseigene Archiv hätte genügt. Bei Älteren vielleicht sogar die eigene Erinnerung.

Die Verteidigungslinie, wonach es niemals Beschlüsse zugunsten von Pädophilen gegeben habe, ist damit hinfällig. Es gehört zur verdienstvollen Geschichte der Grünen, zum Beispiel in Untersuchungsausschüssen Gedächtnislücken politisch Verantwortlicher als Schutzbehauptung enttarnt zu haben. Umso schwerer wiegt nun der Verdacht gegen die Grünen, dass sie halt auch nicht anders sind als alle anderen.

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