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Asyl:Dalai Lama zur Flüchtlingskrise: "Deutschland kann kein arabisches Land werden"

Der Dalai Lama musste selbst fliehen - heute lebt er in Indien.

(Foto: AP)
  • Laut Dalai Lama sollte das oberste Ziel darin bestehen, dass die Flüchtlinge ihre Länder wiederaufbauen.
  • Gleichzeitig stellt er sich gegen die islamfeindliche Stimmung in Europa.

Der Dalai Lama hat Hilfe für Flüchtlinge als mitmenschliche Pflicht bezeichnet. "Ein Mensch, dem es etwas besser geht, hat die Verantwortung, ihnen zu helfen", sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Allerdings sollten diese Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden, "auch moralisch gesehen", fügte der 80-Jährige hinzu: "Das Ziel sollte sein, dass sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen."

Zur Flüchtlingskrise in Europa sagte der Dalai Lama: "Es sind mittlerweile zu viele. Europa, zum Beispiel Deutschland, kann kein arabisches Land werden. Deutschland ist Deutschland." Es seien so viele, "dass es in der Praxis schwierig ist", räumte der buddhistische Mönch ein. Ende 2015 lebten 762 498 Staatsbürger arabischer Länder in Deutschland, die meisten stammen aus Syrien, das sind weniger als ein Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung.

Zum Thema islamfeindliche Stimmung in Europa sagte der Dalai Lama: "Es sind muslimische Individuen und kleine Gruppen, die sich in ihren eigenen Ländern gegenseitig umbringen. Schiiten, Sunniten. Sie repräsentieren nicht den gesamten Islam und nicht alle Muslime." In jeder Religion sei die Liebe die Kernbotschaft. Dies gelte auch im Islam. Bösartige Leute gebe es auch bei den Buddhisten, den Christen, den Juden und den Hindus. Nur aufgrund von "einigen traurigen Ereignissen, die von einer kleinen Zahl Muslime ausgehen, sollten wir nicht die gesamte muslimische Welt verurteilen".

Gewalt in bestimmten Fällen legitim

Im Bezug auf China hofft der Dalai Lama auf die Kraft der Veränderung: Heute habe das kommunistische China die größte buddhistische Bevölkerung. Viele Parteimitglieder seien nur im Kopf Atheisten, "aber von der Brust an abwärts sind sie gläubige Buddhisten". Zudem erlebten mehrere Hunderttausend chinesische Studenten in den westlichen Ländern Demokratie und Freiheit. "China, so mächtig es auch sein mag, kann nicht zu der früheren rigiden, abgeschlossenen Gesellschaft zurückkehren", fügte der 14. Dalai Lama hinzu.

Der buddhistische Mönch äußerte sich auch zum Thema Gewalt. Diese sei legitim, "wenn die Umstände so sind, dass es keine andere Wahl gibt, und Mitgefühl die Motivation ist". Praktisch sei es allerdings besser, jede Gewalt zu vermeiden, denn sie sei unberechenbar: "Deshalb besser keine Gewalt", erklärte der Friedensnobelpreisträger.

Der Dalai Lama - selbst ein Flüchtling

Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, wurde 1935 als Lhamo Thöndup in eine arme Bauernfamilie geboren. Im Alter von zwei Jahren entdeckten ihn Mönche in einem kleinen Dorf in Tibet als die Wiedergeburt des 13. Dalai Lama, des Oberhaupts der Tibeter. Im Oktober 1950 marschierten die Truppen der Volksrepublik China in Tibet ein. Er floh im März 1959 aus dem Potala-Palast in Lhasa nach Indien, chinesische Truppen schlugen einen Volksaufstand in Tibet blutig nieder. Bis heute ist das indische Dharamsala, eine Stadt am Fuß des Himalaya, Sitz der tibetischen Exilregierung und Residenz des Dalai Lama.

© epd/anri/cat
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