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Antisemitismus:Die Unkenntnis über das Judentum ist bedenklich

Einweihung einer Synagoge in Cottbus

Warum nicht mal eine Synagoge besuchen? (Archivbild: Einweihung der Synagoge in Cottbus 2015)

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Wer nichts über Juden weiß, der wird nicht automatisch zum Antisemiten. Doch er wird dem offenbar zunehmenden Hass gegen sie nicht unbedingt couragiert entgegentreten.

Es sind Zahlen, die nachdenklich machen. Wenige Tage vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar veröffentlicht die EU eine Studie, der zufolge eine klare Mehrheit der Deutschen sagt: Der Antisemitismus nimmt zu. Noch höher ist die Zahl derer, die überzeugt sind, sie und ihre Mitmenschen wüssten nichts oder kaum etwas über das Judentum und den Holocaust.

Dieser Befund ist gefährlich, vor allem, weil er besonders für junge Menschen in Deutschland gilt. Zugegeben: Wer nichts über Juden weiß, der wird nicht automatisch zum Antisemiten. Aber er geht eben auch nicht unbedingt couragiert dazwischen, wenn Menschen hierzulande diffamiert oder sogar angegriffen werden. Eben diese Courage ist aber notwendig in Zeiten, in denen sich Hassbotschaften so schnell und so effizient verbreiten lassen wie nie zuvor.

Es reicht daher nicht, wenn sich die Beschäftigung mit dem Judentum auf die Kapitel zum Zweiten Weltkrieg im Geschichtsunterricht und eine Exkursion ins ehemalige Konzentrationslager beschränken. Wer kennt das Pessach-Fest und wer Purim? Religion, Toleranz, Antidiskriminierung müssen stärker im Lehrplan verankert werden. Und es spricht überhaupt nichts dagegen, einmal eine Synagoge zu besuchen und die Juden dort zu fragen: Wie geht es euch?