Anschlag in Tunis "Dann haben wir plötzlich Schüsse gehört"

Das Fernsehen zeigte Touristen, die sich am Anschlagsort in Sicherheit brachten.

(Foto: Reuters)

Nedra Jouini, 23, lebt zusammen mit ihren Eltern nur 300 Meter entfernt vom Bardo-Museum in der tunesischen Hauptstadt Tunis. Am Mittwoch greifen Bewaffnete das Gebäude an, erschießen mindestens 19 Menschen, darunter viele Touristen. Dann greift eine Spezialeinheit ein und tötet die Agreifer. Am Telefon berichtet die Chemie-Studentin, wie sie den Tag des Anschlags erlebt hat.

Von Jurik Caspar Iser

"Meine Mutter und ich saßen im Wohnzimmer auf dem Sofa und haben uns unterhalten. Dann haben wir plötzlich Schüsse gehört. Wir dachten die Schüsse kommen von der benachbarten Militärakademie, von Soldaten, die irgendwelche Übungen abhalten.

Wie gewöhnlich schaltete meine Mutter vor dem Mittagessen das Radio ein. So haben wir innerhalb von wenigen Minuten erfahren, was wirklich passiert ist. Wir konnten es nicht fassen.

Bald darauf flogen Helikopter über unsere Wohnung - wie 2011. Sie erinnerten mich an die Revolution und die Gewalt von damals. Ich wurde nervös, machte mir Sorgen: Wie schlimm ist es wirklich? Ist es sicher, rauszugehen? Seit 2011 ist hier nichts derart Gefährliches mehr passiert - schon gar nicht direkt in meiner Nähe.

Ich hoffe, dass es keine weiteren Anschläge geben wird. Aber wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Wir wissen, dass der Terrorismus bereits in Tunesien ist. Davon sind wir heute Zeugen geworden. Ich setzte aber auch Hoffnung in die tunesische Regierung. Ich hoffe sie tut ihr Bestes, um weitere Anschläge zu verhindern. Sie sollte zum Beispiel die Sicherheitsvorkehrungen erhöhen.

Ich glaube, dass unsere Stadt derzeit nicht sicher ist. Für die Tourismusbranche hat der Anschlag sicher schlimme Folgen. Hätte ich eine Reise nach Tunesien geplant, würde ich sie auf jeden Fall absagen.

Ich bin schon wieder kurz nach draußen gegangen. Jetzt ist es ja zum Glück vorbei. Aber dieser Tag hat gezeigt, dass derzeit in Tunesien alles passieren kann. Ich würde gerade niemandem empfehlen, auf die Straße zu gehen."