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Angriffe auf Medien:Wenn Journalisten zu Anschlagszielen werden

Die erste Ausgabe von Charlie Hebdo nach dem Angriff auf die Redaktion.

(Foto: AFP)

Fünf Wochen nach den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" fallen Schüsse auf eine Diskussionsveranstaltung über Meinungsfreiheit und Blasphemie in Kopenhagen. Seit 2004 wurden immer wieder Journalisten angegriffen, die sich satirisch mit dem Islam auseinandergesetzt hatten. Eine Chronologie.

November 2004: Der niederländische Islamkritiker Theo van Gogh bezahlt einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam mit dem Leben. Er wird in Amsterdam von einem muslimischen Extremisten ermordet. Auf der Leiche hinterließ der Täter einen Brief mit Morddrohungen gegen weitere Niederländer

September 2005: Die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten veröffentlicht zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed, darunter eine des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard, die Mohammed mit einem Turban in Form einer Bombe darstellt. Mehrere Monate später kommt es zu heftigen Ausschreitungen in verschiedenen Ländern der islamischen Welt. Dutzende Menschen sterben.

Februar 2008: Die dänische Polizei nimmt fünf Männer in Aarhus fest. Sie sollen einen Anschlag auf Westergaard geplant haben.

Januar 2010: Ein 28-jähriger Somalier dringt mit einem Messer und einer Axt bewaffnet in das Haus von Kurt Westergaard ein. Der Karikaturist kann sich gemeinsam mit seiner fünfjährigen Enkelin in sein als "Panikraum" ausgebautes Badezimmer flüchten und von dort die Polizei verständigen. Die Beamten nehmen den Mann fest. Er wird später zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Mai 2010: Zwei Männer werfen Benzinflaschen durch ein Fenster in das Haus des Schweden Lars Vilks. Der Karikaturist hatte eine Zeichnung mit dem Propheten Mohammed als Hund ausgestellt. Kurz darauf wird Vilks während einer Vorlesung an der Universität im schwedischen Uppsala von einem Zuhörer angegriffen und verletzt.

11. Dezember 2010: Bei einem Selbstmordanschlag in der schwedischen Hauptstadt Stockholm stirbt nur der Attentäter, ein 28-jähriger Schwede irakischer Abstammung. Er hatte seine Tat unter anderem mit einer Mohammed-Karikatur des schwedischen Zeichners Lars Vilks sowie Schwedens Teilnahme am Afghanistan-Krieg begründet.

30. Dezember 2010: In letzter Minute können die Behörden einen Anschlag auf das Verlagsgebäude der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten vereiteln. Die Polizei nimmt fünf Männer fest. Sie waren schwer bewaffnet aus Schweden nach Kopenhagen gekommen. Sie wollten als "Rache" für die umstrittenen Mohammed-Karikaturen von Jyllands-Posten möglichst viele Mitarbeiter töten.Vier von ihnen wurden später zu langen Haftstrafen verurteilt.

Mai 2011: Ein Kopenhagener Gericht verurteilt den Tschetschenen Lors Dukajew für einen versuchten Anschlag auf die Zeitung Jyllands-Posten zu zwölf Jahren Haft. Der 25-Jährige hatte sich 2010 in Kopenhagen bei der Explosion seines Sprengstoffes verletzt. Er wollte eine Briefbombe an die Redaktion der Zeitung schicken.

Februar 2013: Ein Unbekannter schießt auf den islamkritischen dänischen Journalisten Lars Hedegaard vor dessen Wohnung in Kopenhagen. Der 70-Jährige bleibt unverletzt - der Täter kann entkommen. Hedegaard hatte sich mit betont scharfen Äußerungen etwa über ein nach seiner Meinung im Islam akzeptiertes Recht auf Vergewaltigung profiliert.

Januar 2015: Die Brüder Chérif und Saïd Kouachi stürmen in Paris die Redaktionsräume des religionskritischen Satiremagazins "Charlie Hebdo". Sie erschießen zwölf Menschen, darunter neun Journalisten. Zu den Toten zählt auch der unter dem Künstlernamen Charb bekannte Zeichner und Chef des Magazins, Stéphane Charbonnier. Im Zuge der Fahndung erschießt die Polizei zwei Tage später das Bruderpaar.

© Süddeutsche.de/dpa/cmy

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