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Angriffe auf Flüchtlinge:Brandstifter als "Vollstrecker"

Dazu kommt, dass viele Kommunen offenbar schlecht auf die Aufnahme der Asylsuchenden vorbereitet sind und dass immer wieder gewarnt wird, die "Flüchtlingsflut" sei nicht zu bewältigen. Manche Politiker vermitteln zudem den Eindruck, bei den Migranten müsse man immer damit rechnen, dass sie Betrüger seien. Oder dass sich unter ihnen mögliche islamistische Extremisten befinden könnten. Auch das kann bei Menschen, die nicht unbedingt rechtsextrem sind, zu einer negativen Einstellung den Flüchtlingen gegenüber führen, zu Ablehnung und Abwertung.

Die Rechten wiederum sind insbesondere angesichts der großen Proteste gegen Migranten verführt anzunehmen, sie würden nur das tun, was viele Bürgerinnen und Bürger ebenfalls wollten, sich jedoch nicht trauten: Sich aktiv zu wehren. Die Brandstifter fühlten sich als "Vollstrecker" der fremdenfeindlichen Positionen, die durch Gruppen wie Pegida salonfähig geworden sind, schreibt etwa der Experte für Rechtsextremismus Toralf Staud in der Zeit.

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Vertrauenskrise gegenüber dem Staat

Bereits 2013 warnte Andreas Zick angesichts der massiven Proteste gegen Flüchtlinge in der sächsischen Stadt Schneeberg vor dem Radikalisierungspotenzial, das in der Vertrauenskrise der Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem Staat liege. "Eine unzufriedene Masse lässt sich von Meinungsmachern radikalisieren, rechte Propaganda kann genau hier wirksam werden", sagte Zick. Ende 2014 warnte dann seine Bielefelder Kollegin Eva Maria Groß im Focus vor einer gefährlichen Stimmung im Land. Das Angst- und Bedrohungspotenzial sei sehr groß, es gebe viele diffuse Ängste, mit denen sich die Menschen alleingelassen fühlten. "Und das kann schnell in Aggression und Gewalt umschlagen."

Zick fürchtet inzwischen sogar, dass sich vor diesem Hintergrund rechte terroristische Zellen wie der NSU bilden könnten. Auch in den 90er Jahren habe es eine starke Protestbewegung und Übergriffe auf Asylbewerber gegeben, sagte er der Berliner Zeitung. Aus dieser Protestbewegung heraus seien Angriffe entstanden und aus den Angriffen hätten sich Zellen gebildet. "Es gibt viele Hinweise darauf, dass das wieder passieren kann. Und es liegt nahe, dass diejenigen, die mit dem System nichts mehr am Hut haben, sagen: Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter."

Als Gegenmaßnahme, so Zick, würde alles nützen, das die Menschen daran erinnert, was die Norm ist und wie weit man gehen darf.