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Amnesty-Bericht zur Todesstrafe:Wo Staaten töten

Schockierende Zahlen von Amnesty International: Im Vergleich zu 2012 sind im Vorjahr weltweit 100 Menschen mehr hingerichtet worden - die meisten der insgesamt 778 in Iran und im Irak. Auf Platz vier liegen die USA.

Menschenrechtler prangern einen Anstieg der weltweit vollstreckten Todesstrafen an. Die Zahl der Hinrichtungen sei 2013 im Vergleich zum Vorjahr von 682 auf mindestens 778 in insgesamt 22 Ländern gestiegen, teilte Amnesty International mit.

Offiziell an der Spitze stehen demnach Iran mit mindestens 369 Hinrichtungen, der Irak mit 169 und Saudi-Arabien mit 79 Exekutionen. Allein Iran, Irak und Saudi-Arabien sind laut Statistik für fast 80 Prozent der Hinrichtungen außerhalb Chinas verantwortlich - zumal in Iran von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen sei. Vergangenes Jahr vollstreckten Iran und der Irak den Angaben zufolge knapp 100 Todesstrafen mehr als noch 2012. China behandele seine Angaben zur Todesstrafe als Staatsgeheimnis - und liege vermutlich mit Tausenden Hinrichtungen pro Jahr weit vor den zusammengerechneten Werten aller anderen Länder, hieß es.

An vierter Stelle folgen die USA mit 39 und Somalia mit mindestens 34 Hinrichtungen. "Dass die Masse der Hinrichtungen auf das Konto einiger weniger Staaten geht, ist bestürzend und beschämend", erklärte der Vorstandssprecher von Amnesty International in Deutschland, Oliver Hendrich. Während Iran keine Gerichtsverfahren nach internationalen Standards garantiere, würden die meisten Todeskandidaten im Irak aufgrund "vager Anti-Terror-Gesetze" verurteilt. "Besonders schockierend ist auch, dass in Saudi-Arabien drei minderjährige Straftäter hingerichtet wurden", erklärte Hendrich.

23 500 Häftlinge warten auf ihre Hinrichtung

Inzwischen haben laut Amnesty International 140 Staaten die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft, 58 halten weiter daran fest. Insgesamt sitzen demnach weltweit fast 23 500 Menschen in Gefängnissen und warten auf ihre Hinrichtung. Auch habe die Zahl der Todesurteile im vergangenen Jahr von 1722 auf mindestens 1925 zugenommen.

Allerdings seien "in allen Regionen" auch Fortschritte zu erkennen: Als Erfolg wertete Amnesty, dass die Region Europa und Zentralasien (dies umfasst die ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken) 2013 völlig auf Hinrichtungen verzichtet hätten, auch Weißrussland habe kein Todesurteil vollstreckt. Gambia, die Vereinigten Arabischen Emirate und Pakistan hätten 2013 keine neuen Todesurteile mehr verhängt. In den USA habe Maryland als 18. Bundesstaat die Todesstrafe abgeschafft. Und auch in einigen afrikanischen Ländern seien Reformen auf den Weg gebracht worden, um die Abschaffung der Todesstrafe zu ermöglichen.

"Es gibt einen klaren Trend hin zur Abschaffung der Todesstrafe", sagte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty. "Der langfristige Trend ist klar - die Todesstrafe wird zu einer Sache der Vergangenheit."

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/mane

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