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Alternativer Nobelpreis:Die Mahnung

Der Preis erinnert auch an all die anderen politischen Häfltinge.

Von Paul-Anton Krüger

Nasrin Sotudeh, iranische Menschenrechtsanwältin, erhält mit anderen Bürgerrechtlern den Alternativen Nobelpreis. Sie hat ihn mehr als verdient. Die Auszeichnung lenkt ein Schlaglicht auf die immer härtere Verfolgung jeglicher Abweichler in Iran wie auch auf das kafkaeske Schicksal Sotudehs. Sie hat als Anwältin nichts anderes getan, als ihren Job zu machen.

Sie hat Menschen in Strafprozessen verteidigt, die politisch motiviert sind und keinerlei rechtsstaatlichen Anforderungen genügen. Unter diesen Menschen sind andere Frauen, die gegen den strafbewehrten Zwang zum Tragen eines Kopftuchs in der Islamischen Republik protestiert haben. Sie hat nichts anderes getan, als zu versuchen, die in der Verfassung und den Gesetzen verbrieften Rechte für ihre Mandanten und sich selbst geltend zu machen. Dafür wird sie verfolgt.

Wegen "staatsfeindlicher Propaganda", ein Delikt, das nur in Unrechtsregimen existiert, wurde sie zu langjähriger Haft und Peitschenhieben verurteilt. Dagegen ist sie in den Hungerstreik getreten, den sie vergangene Woche abbrechen musste; sie war in Lebensgefahr. Die Kerkermeister des Regimes brachten sie aus dem Krankenhaus zurück in den Folterknast Evin, ihre Anwälte und ihre Familie durfte sie nicht sehen. Europa muss sich mit aller Kraft für ihre Freilassung einsetzen, auch all die anderen politischen Häftlinge in Iran dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Daran gemahnt die Ehrung für Sotudeh.

© SZ vom 02.10.2020
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