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Aktuelles Lexikon:Pferdekutsche

Früher beherrschte sie das Straßenbild, heute ist sie eher Touristenattraktion. Nun gab es einen Zusammenstoß zweier Kutschen.

Von Marco Völklein

Die Pferdekutsche ist eines der ältesten Verkehrsmittel - und gehörte bis ins 20. Jahrhundert zum Straßenbild. Vom Karren unterschied sie sich unter anderem durch die Innovation der Federung. Die Typenvielfalt war enorm: Es gab Kutschen mit einer oder mehreren Achsen, mit nur einem Tier oder mehreren bespannt. Beim "Selbstfahrer" musste der Reisende selbst lenken, bei anderen hielt ein Kutscher vom (Kutsch-)Bock aus die Pferde im Zaum. Das zweirädrige "Hansom Cab" steuerte er von einem Sitz aus, der leicht erhöht hinter den Fahrgästen angebracht war; beim vierrädrigen Coupé musste der Kutscher weit vor den Passagieren im Freien ausharren, während diese wettergeschützt in einer Kabine unterkamen. Ähnlich vielfältig waren die Berufe im Kutschenbau: Stellmacher, Schreiner, Lackierer, Polsterer, Linierer fertigten die Wagen in der Regel auf Kundenbestellung als Einzelstücke. Als sich zum Ende des 19. Jahrhunderts die Pioniere der Automobilindustrie daran machten, die Kutschen aus dem Stadtbild zu verdrängen, nutzten sie das Können dieser alten Berufe. Heute werden Kutschen vorwiegend als Hobbygerät und im Tourismus genutzt - so auch im Allgäu, wo am ersten Weihnachtsfeiertag eine Kutsche auf eine andere prallte und umkippte. 20 Menschen wurden dabei verletzt.

© SZ vom 29.12.2018
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