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Afghanistan:Taliban bereit für Dialog

Nach den jüngsten Freilassungen von 400 Taliban-Kämpfern zeigt sich ein Verhandlungsteam binnen einer Woche bereit, Friedensgespräche mit der Regierung von Präsident Aschraf Ghani zu führen.

Von Tobias Matern

Die Taliban haben erstmals signalisiert, mit der afghanischen Regierung von Präsident Aschraf Ghani Friedensgespräche führen zu wollen. Nach Freilassung ihrer Gefangenen sei ein Verhandlungsteam innerhalb von einer Woche bereit für einen Dialog, sagte der Sprecher des politischen Büros der Taliban, Suhail Schahin, der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte Ghani nach einem Beschluss der sogenannten Großen Ratsversammlung vom Wochenende per Dekret den Weg dafür geebnet, dass 400 als besonders gefährlich geltende Taliban-Kämpfer aus dem Gefängnis entlassen werden. Insgesamt hat die Kabuler Regierung nach eigenen Angaben somit 5500 Islamisten vorzeitig die Freiheit geschenkt, um die Islamisten zu Verhandlungen zu bewegen.

Die Taliban hatten Ende Februar mit den USA eine Vereinbarung unter Ausschluss der afghanischen Regierung getroffen. Darin verpflichten sich die Islamisten darauf, ihren Teil dazu beizutragen, dass von Afghanistan künftig keine Terrorgefahr ausgeht. Halten sie sich an diese und andere Bedingungen, wollen die USA im April 2021 ihre verbliebenen Truppen vom Hindukusch abziehen. Allerdings gehen die meisten Beobachter davon aus, dass die Vereinigten Staaten und ihrem Gefolge die anderen westlichen Truppen auf jeden Fall abziehen werden, auch wenn Ghani bis dahin noch keine Machtteilung mit den Taliban erreicht haben sollte.

Die USA haben Verbündete über eine weitere Truppenreduzierung des Nato-Einsatzes "Resolute Support" in Afghanistan informiert. Ein Vertreter der US-Regierung habe darüber unterrichtet, "dass die USA bis Ende November 2020 eine Truppenreduzierung in Afghanistan auf knapp unter 5000 Soldatinnen und Soldaten durchführen werden", teilten das Verteidigungsministerium und das Auswärtige Amt am Dienstag den zuständigen Obleuten im Bundestag mit.

© SZ vom 12.08.2020

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