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Afghanistan:Aschraf Ghani liegt bei Präsidentenwahl vorne

Aschraf Ghani

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani in Kabul bei einem Besuch der deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Anfang Dezember.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)
  • Fast drei Monate nach der Präsidentenwahl in Afghanistan veröffentlicht die Unabhängige Wahlkommission (IEC) die vorläufigen Resultate.
  • Amtsinhaber Aschraf Ghani liegt demnach vorn.
  • Ghanis wichtigster Herausforderer, der bisherige Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah, kündigte im Vorfeld an, die Resultate nicht anerkennen zu wollen.

Bei der Präsidentenwahl in Afghanistan vom September liegt vorläufigen Ergebnissen zufolge Amtsinhaber Aschraf Ghani vorn. Auf ihn entfielen nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission (IEC) vom Sonntag 50,64 Prozent der Stimmen. Bleibt es bei diesem Resultat, hätte er die Wahl im ersten Wahlgang gewonnen und es wäre keine Stichwahl erforderlich. Nun können Beschwerden bei der Wahlbeschwerdekommission eingereicht werden. Wann die offiziellen Endergebnisse vorliegen sollen, ist offen.

Ghanis wichtigster Herausforderer, der bisherige Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah, gewannt laut Wahlkommission 39,5 Prozent der Stimmen. Abdullah hatte bereits im Vorfeld angekündigt, die Resultate nicht anerkennen zu wollen. Er hatte in den vergangenen Wochen gefordert, erst 300 000 seiner Ansicht nach ungültige Stimmen auszusieben, bevor eine von der Wahlkommission angeordnete Stimmennachzählung begann. In mehreren Provinzen hatten seine Anhänger die Nachzählung blockiert. Diese Woche konnten die Nachzählungen schließlich abgeschlossen werden.

Die Wahlkommission hat die vorläufigen Resultate nun fast drei Monate nach der Wahl veröffentlicht. Die Präsidentenwahl hatte am 28. September stattgefunden. Vorläufige Resultate sollten eigentlich bis Mitte Oktober vorliegen, das Ergebnis sollte am 7. November feststehen. Vor der Wahl hatte es in Kabul viele Warnungen vor einer möglichen politischen Krise im Fall einer erneut umstrittenen Wahl gegeben.

Wegen der schlechten Sicherheitslage, Enttäuschung über die Regierung und mangelndem Vertrauen in Wahlen nach zahlreichen Fälschungsvorwürfen in der Vergangenheit war die Wahlbeteiligung die geringste seit dem Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001. Die Wahlkommission erklärte rund 1,8 Millionen Stimmen für gültig. Analysten zufolge gibt es mindestens 13,5 Millionen Wahlberechtigte in Afghanistan. Mehr als 9,6 Millionen Afghanen waren zur Wahl registriert, rund ein Drittel davon Frauen.

© SZ.de/dpa/ick

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Von Paul-Anton Krüger

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