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Afghanistan:Mehr als 140 Tote bei Taliban-Angriff in Afghanistan

Sicherheitskräfte nach dem Angriff vor der Militärbasis in Afghanistan

(Foto: AFP)
  • Sie waren als Soldaten verkleidet und überraschten die Männer in der Moschee beim Gebet: Die Taliban haben auf einer Militärbasis viele Afghanen getötet.
  • Die Bundesregierung verurteilt die Tat und ruft zu Verhandlungen auf.

Bei einem Angriff der Taliban auf eine Militärbasis in Afghanistan sind mindestens 140 Soldaten getötet und mehr als 160 verwundet worden. Das sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Mohammed Ibrahim Chair Andesch, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Taliban waren mit drei Militärfahrzeugen vorgefahren und hatten am Eingangstor eine Rakete gezündet, um sich Zugang zu verschaffen. Die etwa zehn Angreifer waren als Soldaten verkleidet, berichtet ein Armeesprecher. Erst nach stundenlangen Feuergefechten hatten die afghanischen Kräfte die Kontrolle über ihre Basis in der Provinz Balch wieder erlangt. Die Soldaten in dem Armeestützpunkt nahe Masar-i-Scharif wurden von den Taliban beim Freitagsgebet in der Moschee überrascht.

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Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich rapide verschlechtert, seit die Nato ihre Kampfmission Ende 2014 beendet und die meisten Truppen abgezogen hat. Die einheimischen Sicherheitskräfte erleiden im Kampf gegen die Taliban seit Monaten schwere Verluste. Balch gilt als eher sichere Provinz. Dort liegt die Kommandozentrale der afghanischen Armee für den gesamten Norden des Landes.

Nato und Bundeswehr haben den Kampf gegen die Taliban inzwischen der einheimischen Armee überlassen. Die internationalen Truppen sind nur noch zur Beratung und Ausbildung da. Die meisten der noch gut 900 deutschen Soldaten werden selbst dafür nicht mehr eingesetzt, sondern betreiben nur noch das Feldlager in Masar-i-Scharif. Einst waren 5000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.

Bundesregierung: Taliban sollen sich zu Verhandlungen bereit erklären

Die Bundesregierung hat den Angriff verurteilt. Sie nannte die Bluttat "hinterhältig" und betonte, Deutschland sei entschlossen, die Regierung in Kabul weiter im Kampf gegen islamistische Extremisten zu unterstützen. Die Taliban würden ihre Ziele durch derartige Bluttaten nicht erreichen, hieß es in einer Mitteilung von Freitag. Vielmehr sollten sie der Aufforderung der internationalen Gemeinschaft folgen und sich zu Verhandlungen bereit erklären.

Der Angriff vom Freitag war der zweite dieser Art auf eine Militäreinrichtung binnen weniger Wochen. Zu der ersten Attacke auf ein Militärkrankenhaus in Kabul Anfang März hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Damals kamen 49 Menschen ums Leben, 76 wurden verletzt.

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