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Afghanistan:Immerhin ein Anfang

Taliban und Regierung müssen eine nachhaltige Lösung finden.

Von Tobias Matern

Das Beste, was es über die Friedensgespräche zwischen afghanischer Regierung und den Taliban zu sagen gibt: Sie haben stattgefunden. Nach 19 Jahren Krieg mit westlicher Beteiligung sind sie ein wichtiger Schritt. Ob dieses Wochenende aber eine historische Dimension erreichen wird, wie die meisten Würdenträger bei dem Treffen betonen, bleibt noch abzuwarten.

Die Zukunftsvorstellungen gehen weit auseinander: Ein demokratisches System, wie es die Regierung behalten will, oder eine Rückkehr zur Scharia, wie es den Taliban offenbar vorschwebt - gibt es einen Raum für einen Kompromiss, der das Blutvergießen dauerhaft beendet?

Dass die Taliban nach ihrem Sturz 2001 trotz geballter westlicher Militärmacht nun wieder einen Teil der Verantwortung in Kabul übernehmen sollen, bleibt als schwerer Makel. Nach vielen Fehlern in Afghanistan müssen die USA nun einen letzten Rest Ausdauer aufbringen. Sie sollten die Friedensgespräche als Schutzmacht der Kabuler Regierung bis zum Ende verfolgen. Angesichts der Konstellation in Washington ist das fraglich, aber wenn schon der Begriff "historisch" so oft bemüht wird - ein Blick in die afghanische Geschichte zeigt: Konflikte in diesem Land gingen oft direkt in den nächsten Krieg über, weil sie nicht nachhaltig gelöst wurden.

© SZ vom 14.09.2020

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