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Afghanistan:Armee startet Gegenoffensive in Kundus

  • Das afghanische Militär hat eine Offensive zur Rückeroberung der nordafghanischen Stadt Kundus begonnen und meldet erste Erfolge.
  • 2000 Taliban-Kämpfer hatten am Montag die Stadt eingenommen.
  • In der Provinz Kundus war bis 2013 die Bundeswehr stationiert. Deutsche Politiker, darunter Verteidigungsministerin von der Leyen, kritisieren nun den Abzug.

Afghanische Armee versucht Kundus zurückzuerobern

Einen Tag nach der Einnahme der nordafghanischen Stadt Kundus durch Kämpfer der radikalislamischen Taliban hat die Armee des Landes eine Offensive zur Rückeroberung gestartet. Der Einsatz habe am frühen Dienstagmorgen begonnen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Das Hauptquartier der Polizei und das städtische Gefängnis seien bereits zurückerobert worden.

Auch die US-Armee soll in die Gefechte in der nordafghanischen Stadt Kundus eingegriffen haben. "US-Streitkräfte haben einen Luftangriff in Kundus geflogen", sagte ein US-Militärsprecher in Kabul. Ziel sei es gewesen, eine Bedrohung der Sicherheitskräfte zu "beseitigen".

Mit etwa 2000 Kämpfern hatten die Taliban am Montag Kundus erobert. Es war das erste Mal seit ihrer Entmachtung im Jahr 2001 durch internationale Truppen, dass die Taliban die Kontrolle über eine größere afghanische Stadt übernehmen konnten.

Ehemaliger Stützpunkt der Bundeswehr

Für die Provinz Kundus war früher die Bundeswehr verantwortlich. Im Oktober 2013 übergab sie ihr dortiges Feldlager an die afghanischen Sicherheitskräfte. Die Bundeswehr ist aber noch im von Kundus 150 Kilometer entfernten Masar-i-Scharif stationiert - allerdings nur zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee. Insgesamt sind noch etwa 700 deutsche Soldaten im Norden Afghanistans stationiert.

Ende vergangenen Jahres beendete die Nato ihren Kampfeinsatz in Afghanistan. Seit Anfang dieses Jahres unterstützt sie mit dem Einsatz "Resolute Support" die afghanischen Sicherheitskräfte in der Ausbildung. Derzeit sind noch etwa 13 000 ausländische Soldaten in dem Land. Sie sollen sich bisherigen Plänen zufolge nach und nach aus der Fläche zurückziehen und bis Ende 2016 vollständig vom Hindukusch abgezogen werden.

Kritik an Abzug der internationalen Truppen

Die Eroberung von Kundus löste eine Debatte um den geplanten Abzug der Bundeswehr aus Nordafghanistan aus. Der SPD-Politiker Rainer Arnold forderte eine Verlängerung des Bundeswehreinsatzes. "Angesichts der Situation in Afghanistan wäre es falsch, die Afghanen völlig alleine zu lassen", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte am Wochenende vor einem zu frühen Truppenabzug aus Afghanistan gewarnt.

© Süddeutsche.de/AFP/dayk/gal
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