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Ägyptens Präsident Mursi und der Antisemitismus:"Diese Nachkommen von Affen und Schweinen"

Ist Ägyptens Staatspräsident Mursi im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern Vermittler oder Zündler? Ein Video aus dem Jahr 2010 zeigt den damaligen Muslimbruder, wie er Juden aufs Gröbste beschimpft - und droht, Mursis Image als Staatsmann zu beschädigen.

Als Mohammed Mursi im vergangenen Jahr ägyptischer Präsident wurde, äußerte Israel große Vorbehalte gegen den Vertreter der islamistischen Muslimbrüder. Im Wahlkampf hatte Mursi zwar versprochen, den Friedensvertrag mit Israel einzuhalten - eine Überprüfung kündigte er dennoch an.

Seitdem er im November 2012 erfolgreich im bewaffneten Konflikt zwischen Hamas und Israel vermittelte, hat sich Mursis außenpolitischer Ruf verbessert. Nun dürfte das Misstrauen erneut wachsen: Grund dafür ist ein Video, das vom Institut für Medienforschung des Nahen Ostens (Memri-TV) online gestellt wurde. Es stammt aus dem Jahr 2010. In ihm beschreibt Mursi "Zionisten" als

"Blutsauger, die Palästinenser angreifen, diese Kriegstreiber, diese Nachkommen von Affen und Schweinen."

Der beleidigende Ausspruch lege die antisemitische und antiwestliche Haltung des Präsidenten offen und stelle seine Bemühungen in Frage, sich als moderater Staatsmann zu geben, schreibt die New York Times. Israelische Medien wie die Zeitungen Haaretz und Jerusalem Post reagierten verhalten auf Mursis Beschimpfung.

2010 war Mursi zwar bereits hochrangiges Mitglied der Muslimbruderschaft, allerdings damals international völlig unbekannt. So lässt sich erklären, warum ein zwei Jahre altes Video jetzt erst Reaktionen hervorruft. Seit seinem Amtsantritt ist Mursi offiziell kein Mitglied der Muslimbrüder mehr.

Wie soll der Staatspräsident nun seine eigenen Worte von damals erklären? Bassem Yussef, ein ägyptischer Satiriker, hat eine Idee: Der Präsident solle es mit der Wahrheit versuchen. In einer Fernsehshow rief er der Regierung zu:

"Geben Sie etweder zu, dass alles, was Sie in der Vergangenheit gesagt haben, ein Witz war - oder hören Sie auf, zu bluffen."

Mursi hält sich seit der Veröffentlichung des Videos bedeckt, die Regierung gibt keinen Kommentar.

© Süddeutsche.de/sana/joku/gba

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