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Adel:Von wegen von

Österreich schaffte Adelstitel 1919 ab. Ein Schweizer wehrt sich.

Von Peter Münch

Der Adel hat keinen leichten Stand in Österreich, genauer gesagt: Er ist verboten. Die Titelsucht in der Republik der Magister, Doktoren und Kommerzialräte mag das noch befeuert haben. Aber zumindest all die Hoheiten, Fürsten und Grafen haben ausgedient seit Verabschiedung des Adelsaufhebungsgesetzes anno 1919, das sogar im Verfassungsrang steht. Der klare Schnitt nach dem Ende der Habsburgermonarchie sorgt jedoch auch hundert Jahre danach noch immer für Diskussionen. Denn Niklaus von Steiger zum Beispiel und seine Gattin Christel wollen sich partout nicht damit abfinden, dass das "von" in ihrem Namen verschwinden soll. Sie ziehen nun in einen Kampf gegen die österreichischen Behörden und hoffen dabei auf breite und nicht nur blaublütige Unterstützung.

Ins Rollen kam der Fall, als der 61-jährige Schweizer Veterinär von Steiger im Mai 2017 die Österreicherin Christel Troll ehelichte. Das Paar hat zwei Wohnsitze, einen in Bern, einen im österreichischen Dornbirn. Geheiratet wurde in der Schweiz, aber zuvor, so versichert Steiger, habe man sich bei den Dornbirner Behörden kundig gemacht in der Namensfrage. "Man hat uns mündlich versichert, es gebe mit dem ,von' kein Problem", sagt er. Doch als seine Frau dann in Österreich einen Pass mit dem neuen Doppelnamen Troll-von Steiger beantragte, sei dies mit Verweis auf die Gesetzeslage abgelehnt worden. "Man hat uns irregeführt", schimpft er.

Die Steigers respektive von Steigers sind gewiss nicht die Ersten, die gegen diese vom Gesetz hochgezogene Wand prallen. Doch früher gab es offenkundig mehr Kulanz und auch ein paar offizielle Ausnahmegenehmigungen wie die sogenannte Lex Karajan, die es dem 1908 in Salzburg als Ritter von Karajan geborenen Dirigenten erlaubte, das "von" als Teil des Künstlernamens zu tragen. Zuvor hatte Herbert von Karajan allerdings damit drohen müssen, in Österreich nicht mehr aufzutreten, wenn nicht der volle Name auf den Plakaten stünde.

Solche Druckmittel hat Christel Troll-von Steiger nicht, und überdies haben das österreichische Innenministerium und der Verfassungsgerichtshof in den vergangenen Jahren die Schrauben angezogen. Ins Visier geriet dabei sogar Bundespräsident Alexander Van der Bellen, dem das Ministerium dann allerdings attestierte, dass sein aus den Niederlanden stammender Name dort eine klare Herkunftsbezeichnung und kein Adelstitel sei.

Niklaus von Steiger hofft trotzdem nun auf eine Unterstützung des Präsidenten, den er um eine "Audienz" ersuchen will. Um den Druck auf die Behörden und die Politik zu erhöhen, hat er eine Facebook-Gruppe gegründet, der bereits mehr als 50 Gleichgesinnte angehören - "Adelige, Juristen und Sympathisanten", berichtet er. Mit einer "Namenskastration" werde man sich nicht abfinden. Ziel ist eine Regelung wie in Deutschland, wo nach dem Ersten Weltkrieg die Adelspräfixe zum Bestandteil des bürgerlichen Namens umgewandelt wurden. Wenn allerdings alles nichts fruchtet, so droht er, dann werde seine Frau am Ende die österreichische gegen die Schweizer Staatsbürgerschaft eintauschen müssen. Doch das, so sagt er vornehm, wäre dann eher eine "ungute Entwicklung".

© SZ vom 13.02.2019

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