26. Mai 2016, 20:24 Profil Joachim Sauer: Lächeln und Winken in Japan

"Der muss auch manches ertragen", sagte Angela Merkel einmal über ihren Gatten. Jetzt hat er die Kanzlerin erstmals zu einem G-7-Gipfel ins Ausland begleitet - und sich offenbar sogar zu einem Tänzchen hinreißen lassen.

Von Nico Fried

Zu den Besonderheiten von Angela Merkels Kanzlerschaft gehört neben der Tatsache, dass sie nun schon elf Jahre währt, die Konsequenz, mit der ihr Mann die öffentliche Selbstdarstellung meidet. Joachim Sauer, 67, ein in Fachkreisen hoch anerkannter Professor für physikalische und theoretische Chemie hat bis heute kein Interview als Kanzlergatte gegeben und schweigt auch, wenn er Merkel zu offiziellen Anlässen oder den Wagner-Festspielen begleitet. Seine Frau geizt mit Anekdoten aus dem Privatleben in etwa so wie mit Streuseln auf selbstgebackenem Kuchen - Ersteres im Sinne ihres Mannes, Letzteres zu seinem Leidwesen, wie die Kanzlerin im Wahlkampf 2013 als ebenso seltene wie kalkuliert menschelnde Indiskretion in einen CDU-Flyer schreiben ließ.

Auf den Gipfeln der Industriestaaten in Heiligendamm und in Elmau unterstützte Sauer seine Frau als Gastgeberin und lehrte 2015 US-Präsident Barack Obama sogar die Verzehrtechnik für Weißwürste. Nun ist Sauer erstmals mit zu einem G-7-Treffen im Ausland geflogen - und das nicht nach Paris oder London, sondern bis ins japanische Ise-Shima. Das erfordert binnen drei Tagen zwei Flüge à elf Stunden. Vielleicht verspürte Sauer eine Verpflichtung zum Gegenbesuch, weil Akie Abe, die Gattin des japanischen Premiers, in Elmau unter den drei Damen war, die sich im Partnerprogramm für einen Vortrag über Nanotechnologie interessierten. Mit Frau Abe, Sophie Gregoire-Trudeau und Malgorzata Tusk besichtigte Sauer nun einen Shinto-Schrein und traf die für ihre starken Lungen berühmten Perlentaucherinnen von Mikimoto, wo die Gäste bei einer Folklore-Darbietung sogar getanzt haben sollen.

Die Frauen von Merkels Vorgängern spielten alle eine Rolle an "seiner Seite". Hannelore Kohl sammelte mithilfe ihrer angeheirateten Prominenz ganz offensiv Spenden für wohltätige Zwecke. Doris Schröder-Köpf, gelernte Journalistin, kommentierte auch als Kanzlergattin bisweilen aktuelle Themen und zweifelte im Wahlkampf 2005 die frauenpolitische Kompetenz der kinderlosen CDU-Kandidatin an. Merkel war baff, als Gerhard Schröder im TV-Duell Kritik an seiner Frau mit dem Satz konterte, sie sage, was sie denke, und lebe, was sie sage - "das ist nicht zuletzt der Grund, warum ich sie liebe".

Sauer hatte hingegen zu Beginn der Kanzlerschaft Merkels gleich erklärt, seine Person stehe in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit seiner Frau. Das stimmte später nicht ganz: Sauer ging gelegentlich mit, wenn das Politische sehr privat wurde, wie beim Besuch Angela Merkels auf der Ranch von George W. Bush, oder, besonders brisant, während der hitzigen Verhandlungen über eine EU-Reform 2007 im Wochenendhaus des früheren polnischen Präsidenten Lech Kaczynski.

Am Abend des Wahlsieges 2013 tauchte Sauer in der CDU-Zentrale auf. Merkel dankte ihrem verlegen an der Saalseite stehenden Mann mit den Worten: "Der muss auch manches ertragen."

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