bedeckt München 18°

Zurückgewiesenes Baby:Australische Kinderschutzbehörden überprüfen Gammys Familie

Erst ging es nur um Gammy, den kleinen Jungen, der wohl wegen einer Behinderung von seinen Eltern bei einer thailändischen Leihmutter zurückgelassen wurde. Jetzt sorgen sich die Behörden auch um das Wohl seiner Zwillingsschwester. Der australische Vater der Kinder ist wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft.

  • Der biologische Vater von Gammy ist Medienberichten zufolge in Australien wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft.
  • Die australische Kinderschutzbehörde hat sich eingeschaltet und überprüft die Familie der Eltern.
  • Gammys thailändische Leihmutter fordert jetzt die Zwillingsschwester des Jungen zurück.

Australischer Vater wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft

Als wäre die Geschichte des behinderten Jungen Gammy, der bei seiner Leihmutter zurückgelassen wurde, nicht tragisch genug: Mehrere australische Medien berichten unter Berufung auf Gerichtsakten, dass Gammys biologischer Vater wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft sei. Demnach wurde der Mann aus Westaustralien in den Neunzigerjahren zweimal verurteilt - einmal wegen sexueller Belästigung von zwei Mädchen und einmal wegen Missbrauchs eines Kindes. Die Der Nachrichtensender Channel 9 zitiert die Ehefrau des Mannes mit den Worten: "Er ist ein guter Mann - Menschen machen Fehler - das heißt nicht, dass er für immer ein schlechter Mensch ist."

Kinderschutzbehörden ermitteln

Dem Nachrichtenportal WAtoday zufolge kontaktierte die Polizei nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe am Montagabend die Jugendschutzbehörde. Die australischen Kinderschutzbehörden ermitteln jetzt in dem Fall. Es gehe um die Sicherheit und das Wohlergehen des sieben Monate alten Mädchens in der Obhut des Ehepaars, sagte ein Sprecher der Behörde dem Sender ABC.

Leihmutter will Gammys Schwester zurück

Pattaramon Chanbua, die für das australische Paar die Zwillinge ausgetragen hat, war den Berichten zufolge entsetzt, als sie von den Vorwürfen gegen den Vater erfuhr. Sie wolle nun darum kämpfen, Gammys Schwester zurückzubekommen. Nach thailändischem Gesetz gilt zwar Pattaramon als Mutter der Kinder, nicht die Eispenderin aus Australien. Die Thailänderin dürfte aber Papiere unterschrieben haben, die das alleinige Sorgerecht dem Vater zusprechen, denn sonst hätte dieser mit dem Mädchen nicht aus Thailand ausreisen können.

Die Vorgeschichte: Leihmutter trägt Zwillinge aus

Für umgerechnet etwa 11 000 Euro soll die 21 Jahre alte Pattaramon Chanbua, die in Thailand eine Garküche betreibt, von einem Vermittler angeworben worden sein, um das Kind eines australischen Paares auszutragen. Mit einer schwierigen Geburt brachte die Frau Ende vergangenen Jahres ein gesundes Mädchen und einen behinderten Jungen zur Welt. Die biologischen Eltern nahmen lediglich das Mädchen mit nach Australien und ließen den Jungen - Gammy - zurück. Der Vater habe ihr gesagt, er und seine Frau seien zu alt, um sich um Zwillinge zu kümmern, sagt Chanbua.

Streit um die Wahrheit: Australische Eltern weisen Vorwürfe zurück

Dem Rundfunksender ABC sagte der Vater des Jungen, in der Klinik habe man ihnen nichts von einem zweiten Kind gesagt. Es habe große Probleme mit der Leihmutter-Agentur gegeben, über die die Zusammenarbeit mit Pattaramon gelaufen sei. Die 21-jährige Thailänderin, die Gammys Geschichte öffentlich machte, gibt jedoch an, dass das australische Paar nicht nur von der Existenz des kleinen Jungen gewusst, sondern sie nach der Diagnose des Down-Syndroms zur Abtreibung gedrängt habe.

© Süddeutsche.de/dpa/leja/olkl/rus
Zur SZ-Startseite