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Tote Wale vor Neuseeland und Pellworm:Dutzende Meeressäuger qualvoll verendet

In Neuseeland werden fast 20 gestrandete Grindwale getötet und von ihrem Leid erlöst, während fast zwanzigtausend Kilometer entfernt, auf einer Nordseeinsel, ein 15 Meter langer Pottwal angespült wird. Solche Strandungen können verschiedene Ursachen haben.

Die schlimmste Bedrohung für das größte Säugetier der Welt ist ohne Zweifel der Mensch, mit seinen seinen Harpunen und Walfangflotten. Doch bisweilen geschieht es, dass Wale ganz ohne sein Zutun massenweise den Tod finden. Immer wieder verirren sich die Tiere und landen am Stand. Dort verenden die Kolosse häufig qualvoll. So geschehen dieser Tage in Australien, Neuseeland - und in Schleswig-Holstein.

Toter Pottwal

15 Meter lang, 30 Tonnen schwer: Der Pottwal war vermutlich schon tot, als er auf der Nordseeinsel Pellworm an Land gespült wurde.

(Foto: dpa)

Am Montag entdeckten Touristen hatten am Strand von Farewell Spit auf Neuseelands Südinsel 61 gestrandete Grindwale. Die Hoffnung, dass die bis zu sechs Meter langen Wale schon am nächsten Tag bei Flut wieder zurück ins offene Wasser schwimmen würden, zerschlug sich. Die Umweltschutzbehörde beschloss daher am Mittwoch, die 18 noch lebenden Wale zu töten, um ihr Leiden zu verkürzen.

Zwanzigtausend Kilometer entfernt, vor der Nordseeinsel Pellworm, strandete unterdessen ein junger Pottwal. Das 15 Meter lange Tier war jedoch zu diesem Zeitpunkt wohl bereits tot. Der Kadaver wurde in den Meldorfer Hafen in Schleswig-Holstein geschleppt und aus dem Wasser gezogen. "Man wird versuchen, die Todesursache herauszufinden", sagte der Walexperte der Nationalparkverwaltung, Thomas Borchardt.

Erst am Wochenende waren in einer Bucht an der Westküste der australischen Insel Tasmanien 26 Pottwale und zwei Zwergwale gestrandet, von denen die meisten ebenfalls verendeten.

Die Ursachen für derartige Strandungen sind nicht eindeutig geklärt. Der Physiker Klaus-Heinrich Vanselow von der Kieler Christian-Albrechts-Universität hat sich mit den Walstrandungen in den letzten 300 bis 400 Jahren beschäftigt und sieht als eine mögliche Ursache das Wechselspiel zwischen der Sonne, dem Magnetfeld der Erde und den Tieren. Die Sonne stößt ab und zu stärkere Sonnenwinde aus als sonst; sie ist also aktiver. "Das verändert das Magnetfeld ganz leicht für einige Tage", sagt Vanselow. "Das kann dazu führen, dass die Tiere sich kurzzeitig nicht zurechtfinden."

Auch der zunehmende Lärm durch Schifffahrt, Ölförderung und Sonare zur Schallerkundung in den Meeren gilt als Grund: Pottwale nutzen ihre Echoortung zur Orientierung in den dunklen Gewässern. Menschliche Lärmquellen können sie aber durcheinanderbringen oder im schlimmsten Fall Gehörschäden verursachen, sagt Hendrik Brunkhorst von der Nationalparkverwaltung. Schadstoffe, die die Tiere krank machen, könnten aber ebenfalls für eine schlechte Orientierung verantwortlich sein.

© sueddeutsche.de/AFP/dpa/leja/sebi

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