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Waldbrand in Brandenburg:Ministerpräsident: "Nach wie vor große Gefährdung"

Waldbrand in Brandenburg

Feuerwehrmann bei Löscharbeiten: Brandschneisen sollen verhindern, das Flammen auf weitere Bereiche übergreifen.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)
  • In Brandenburg wütet ein Waldbrand auf einer Fläche von mehr als 400 Hektar.
  • Mittlerweile seien aber "weite Teile unter Kontrolle", laut Brandenburgs Ministerpräsident könne es jedoch noch einige Tage dauern, bis Entwarnung gegeben werden kann.
  • Mindestens drei Ortschaften mussten am Donnerstagabend evakuiert werden.
  • Auch über Berlin zogen Rauchschwaden. Mittlerweile ist der Rauch kaum mehr wahrzunehmen.

Rund 600 Einsatzkräfte aus allen Landkreisen Brandenburgs haben den großen Waldbrand südwestlich von Berlin inzwischen stark eingedämmt. Weite Teile seien unter Kontrolle, hieß es von der Einsatzleitung. Ein Übergreifen der Flammen auf Wohnhäuser konnte bisher verhindert werden. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte am Einsatzort, dass noch nicht absehbar sei, wann gänzlich Entwarnung gegegeben werden könne. "Es kann sich um Tage handeln", sagte er. das Feuer habe "eine große Dynamik und ist nach wie vor eine große Gefährdung".

Der Ministerpräsident ist nach Frohnsdorf gekommen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Am Himmel über den Dächern des 400-Einwohner-Dorfes fliegen Hubschrauber in Richtung Brandherd. Sonst ist von einem Feuer nichts zu hören, nichts zu sehen, nicht zu riechen. Der Wind hat den Geruch des nahen Waldbrandes in die entgegengesetzte Richtung geblasen. Und damit auch die Gefahr weggewehnt von dem Dorf im Südwesten Brandenburgs. Davon, dass hier erst einige Stunden zuvor Löschtrupps ein größeres Unglück abwenden konnten, zeugen zahlreiche Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr. Und die vielen Journalisten und Politiker.

Waldbrände

Flammen in Brandenburg

Bis auf wenige Hundert Meter waren die Flammen an die Ortsgrenze von Frohnsdorf herangerückt. Um 12 Uhr sollten die ersten Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Die Evakuierung werde gegen Mittag aufgehoben, sagte Woidke. Über die Evakuierung der beiden anderen betroffenen Orte werde erst am Nachmittag entschieden. "Hier muss ich die Menschen um Geduld bitten", sagte der Ministerpräsident.

Derzeit gebe es noch mehrere größere Brandstellen, so Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter. Die Bundeswehr und die Bundespolizei seien mit Hubschraubern und Wasserwerfern im Einsatz. Auch die Berliner Polizei habe Einsatzfahrzeuge geschickt. Insgesamt seien 150 im Einsatz, so Schröter. Die Arbeiten würden noch mehrere Tage dauern. "Wir stellen uns auf eine etwas längere Lage ein. Vieles hängt von den Windverhältnissen ab. Jetzt müssen wir ein bisschen Glück haben. Der Wind darf nicht auffrischen", sagte Schröter der SZ. Auf Niederschlag, so scheint es, können die Einsatzkräfte nicht hoffen. Wetterprognosen deuten nicht auf ergiebigen Regen hin, der sich positiv auf die Löscharbeiten auswirken könnte. In der gesamten Region hat es seit vielen Wochen so gut wie keinen Regen gegeben.

540 Menschen mussten nach offiziellen Angaben am Donnerstagabend ihre Häuser verlassen. Die Dörfer Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen südlich von Potsdam am Donnerstagabend evakuiert worden. Am frühen Freitagmorgen versuchte die Feuerwehr mit schwerem Gerät, ein Übergreifen der Flammen auf Dörfer in der Nähe zu verhindern. Hierfür zogen die Einsatzkräfte mit einem Radlader und einer großen Planierraupe mehrere Schneisen in den Wald.

"Wir haben schon einige große Waldbrände in der Region gehabt. In dieser Dimension, wo es sich zwischen den Ortschaften bewegt, haben wir das noch nicht gehabt", sagte der Bürgermeister der nahe gelegenen Kleinstadt Treuenbrietzen, Michael Knape. Die meisten der Betroffenen kamen bei Bekannten oder Verwandten unter. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei enorm gewesen. 21 Betroffene verbrachten die Nacht in der Stadthalle von Treuenbrietzen, die zur Notunkerkunft umfunktioniert wurde, sagte Knape.

Im Boden befindet sich noch sowjetische Munition

Das Feuer sei teilweise nur 100 Meter von Ortschaften entfernt gewesen, so die Polizei. Zunächst habe nur eine Fläche von etwa fünf Hektar gebrannt. Das Feuer breitete sich dann am Donnerstagnachmittag rasend schnell aus. Nach jünsten Erkenntnissen, sagte Woidke, sei eine Fläche von 340 Hektar Wald betroffen. Weil der Boden mit sowjetischer Munition und solcher aus dem Zweiten Weltkrieg belastet ist, sind die Löscharbeiten besonders gefährlich. Immer wieder habe man auch Explosionen registriert, sagte der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark Christian Stein der SZ. Feuerwehrleute können sich deswegen an vielen Stellen den Flammen nicht nähern. "Wir kommen stellenweise nicht ran, nur von befahrbaren und geräumten Wegen", sagte ein Sprecher der Einsatzleitstelle.

Das Feuer war nach ersten Erkenntnissen an mehreren Stellen ausgebrochen. Die größte brennende Stelle war den Angaben zufolge einen Kilometer breit und drei Kilometer lang. Daneben stünden weitere Stellen in Flammen, hieß es von der brandenburgischen Polizeidirektion West. Für den frühen Nachmittag hat Ministerpräsident Woidke eine neue Beurteilung der Lage angekündigt.

Auch im rund 50 Kilometer entfernten Berlin waren die Auswirkungen des Feuers zu spüren. Am Freitagmorgen zogen Rauchschwaden durch die Straßen der Hauptstadt. Ganze Straßenzüge seien verraucht gewesen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Bewohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Südwestwind hatte die Rauchschwaden in der Nacht in die Hauptstadt hineingetragen, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD). Offenbar ist der Rauch nach SZ-Informationen in den meisten Stadtbezirken mittlerweile kaum mehr wahrnehmbar.

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur.