Virgil Abloh:Die Letzten seiner Art

Lesezeit: 2 min

Virgil Abloh: Leicht, poetisch, sogar humorvoll: Spitzenflügel bei der Präsentation von Virgil Ablohs letzter Kollektion in Paris.

Leicht, poetisch, sogar humorvoll: Spitzenflügel bei der Präsentation von Virgil Ablohs letzter Kollektion in Paris.

(Foto: Christophe Archambault/AFP)

Louis Vuitton hat in Paris die letzte Kollektion des verstorbenen Designers Virgil Abloh präsentiert. Die Entwürfe dürften sofort Sammlerstücke werden.

Von Silke Wichert

Eine simple große "8" zierte die Einladung zur Männermodenschau von Louis Vuitton am Donnerstagnachmittag. Was formal natürlich richtig ist, schließlich war es ja die achte Kollektion von Virgil Abloh für das französische Luxushaus. Nur, dass es auch seine letzte sein würde, hatte weder er noch sonst jemand geahnt, als der Designer mit der Arbeit daran begann. Im November war der erst 41-jährige US-Amerikaner mit ghanaischen Wurzeln an einer seltenen Krebserkrankung gestorben. Entsprechend war die Modewelt nun - trotz einer wenig schicken Inzidenz von 4000 - nach Paris angereist, um seinen letzten Werken die Ehre zu erweisen.

Dass diese Show das Highlight der Männermodewoche werden würde, war ohnehin klar gewesen. Aber wie leicht, poetisch und sogar humorvoll es zugehen würde, überraschte dann doch. Die Gäste saßen im "Louis Dreamhouse", das in der Halle des Carreau du Temple aufgebaut worden war. Ein filetiertes Traumhaus in Himmelblau, hier ein riesiges Bett, dort eine lange Treppe, daneben ein Dach mit rauchendem Schornstein und einer langen Tafel, an der ein mindestens 30-köpfiges Streichorchester Platz genommen hatte. "Humor ist ein Einfallstor für Menschlichkeit", lautete das Motto der Show, ein Zitat von Abloh. Die Dinge nicht übertrieben ernst zu nehmen, dem goldenen Käfig der Modewelt mit seinen Designs ein paar lustige Dellen zu verpassen, war typisch für Ablohs Ansatz. Also ließen sich die ersten Models in weißen Hoodies gleich mal von der Treppe herunterfallen, um von einem versteckten Trampolin wieder auf die Stufen zurückzufedern. Immer wieder entpuppten sich die Models als Tänzer, die abrupt stehen blieben, auf den Boden sanken und akrobatisch wieder auf die Beine sprangen. Wie mit der Rückspultaste. Könnte man die Zeit doch bloß zurückdrehen!

Die Verkaufszahlen werden durch die Decke gehen

Was macht Virgils achten Streich am Ende aus? Vor allem stark surreal anmutende Accessoires, etwa ein klassischer brauner Logo-Koffer, aber in Wellenform, so als hätte man einen Knick in der Optik, oder kleine runde Handtaschen mit dem typischen Design eines Farbeimers, nur eben jetzt mit Louis-Vuitton-Absender und entsprechendem Preisschild. Ganz normale Alltagsgegenstände in außergewöhnlich erfolgreiche Designs zu verwandeln, war Ablohs auffälligste Handschrift gewesen, die ihn zu einem der gefragtesten Designer der vergangenen Jahre gemacht hatte, sodass er neben Louis Vuitton und seinem eigenen Label Off-White auch für so unterschiedliche Marke wie Mercedes, Ikea, Nike oder Vitra entwarf. Den Großteil der Kollektion soll er noch selbst fertiggestellt haben, an Zitaten an frühere Kollektionen fehlte es nicht, da war also wieder ein stufiger Tüllrock, wie er ihn schon mal für Frauen entworfen hatte, da waren Collegejacken, Baggyhosen zu kurzen, scharf geschnittenen Jacketts und aufgesetzte Ikarusflügel aus Spitze.

Um ganz ehrlich zu sein, hätte man in dieser Kollektion natürlich auch sonst was zeigen können. Wenn von morgen an die richtig guten Kunden vorab ordern dürfen, werden die Verkaufszahlen durch die Decke gehen. Was noch das Licht der Ladentheke erreicht, wird in Rekordzeit vergriffen sein. Seit Ablohs Tod sind Nachfrage und Preise nach seinen Designs auf Resale-Plattformen sprunghaft angestiegen. Von der französischen Luxusshoppingplattform Vestiaire Collective hieß es, allein die Suche nach Schuhen seiner Marke Off-White seien um fast 500 Prozent gestiegen. Wenig überraschend daher, dass Louis Vuitton bereits bekannt gab, es werde auch noch eine neue, letzte Version der Kooperation mit Nike für den Sneaker Air Force 1 geben. Die ersten 200 Stück mit doppeltem Logoprint werden ab 26. Januar auf Sotheby's versteigert. Startpreis: 1760 Euro. Die Erlöse gehen an einen Fonds, den Abloh zur Förderung schwarzer Designstudenten ins Leben gerufen hat. Später wird eine limitierte Stückzahl dann auch in die Läden kommen. Kurzzeitig jedenfalls.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB