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USA:Proteste weiten sich aus

Am Union Square in New York brennt ein Auto.

(Foto: AP)

Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd sind in der fünften Nacht in Folge Tausende US-Amerikaner landesweit aus Protest auf die Straße gegangen. Es gab zum Teil massive Ausschreitungen.

In den USA greifen die Unruhen nach der tödlichen Festnahme des Afroamerikaners George Floyd immer weiter um sich. Von New York über Tulsa im Staat Oklahoma bis Los Angeles erschütterten oft gewaltsame Proteste das Land. Hunderte Menschen wurden in der Nacht zum Sonntag festgenommen. In etlichen Städten setzten Beamte Schlagstöcke, Gummigeschosse und Pfefferspray gegen randalierende Demonstranten ein. Angesichts der Überforderung der Sicherheitskräfte mobilisierten auch die Gouverneure von Georgia, Kentucky, Ohio und Texas nach der Krawallnacht ihre Nationalgarden. In mehr als einem Dutzend Städten wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt. Präsident Donald Trump drohte, er werde "Mobgewalt" nicht dulden.

Ihren Anfang haben die Proteste in Minneapolis genommen, wo ein weißer Polizist am Montag mehr als acht Minuten lang sein Knie auf den Hals Floyds drückte. Dabei stöhnte der gefesselt am Boden liegende Mann wiederholt, dass er nicht atmen könne und Schmerzen habe. Diese Szenen fing eine Passantin mit ihrem Handy ein. Floyd starb später. Am Freitag wurde der beteiligte Beamte festgenommen und des Mordes und Totschlags beschuldigt. Doch hat der Fall nie ganz verheilte Wunden über rassistische Gewalt zumeist weißer Polizisten wieder aufplatzen lassen.

Nächtliche Ausschreitungen seit dem Tod Floyds haben Teile von Minneapolis in ein Schlachtfeld verwandelt. Schaufenster wurden eingeschmissen, Geschäfte geplündert und Gebäude niedergebrannt. Minnesotas Gouverneur Tim Walz hatte bereits am Donnerstag die Nationalgarde mobilisiert, deren Kräfte seither stetig aufgestockt wurden.

Aktuell sind 1700 Nationalgardisten in Minnesota aktiviert. "Bei der Situation in Minneapolis geht es in keiner Weise mehr um den Mord an George Floyd", sagte Walz. "Es geht darum, die Zivilgesellschaft zu attackieren, Furcht einzuflößen und unsere großartigen Städte zu sprengen." Der Gouverneur erwägt auch, auf Trumps Angebot einzugehen, das Militär hinzu zu ziehen. Das Pentagon hat es bereits in Alarmbereitschaft versetzt.

In Minneapolis sagte ein Demonstrant, Sam Allkija, die von Zerstörung begleiteten Proteste seien ein Zeichen für den Frust und den Zorn, den die schwarze Gemeinde schon seit langer Zeit verspüre. "Ich heiße das nicht gut", sagte der 29-Jährige. "Aber man muss sich genauer anschauen, warum diese Unruhen passieren."

Im Greenwood District in Tulsa - dem Schauplatz eines Massakers an Schwarzen mit 300 Toten im Jahr 1921 in dem damals als Black Wall Street bekannten Bezirk - blockierten Protestierende eine Autobahn und skandierten den Namen von Terence Crutcher. Der Afroamerikaner war 2016 von einem Polizisten getötet worden. In Tallahassee in Florida fuhr ein Lastwagen durch eine Menge von Demonstranten, die schreiend wegrannten. Eine Person landete auf der Lkw-Haube, doch gab es laut der Polizei keine schweren Verletzungen.

Verletzt wurde in Columbia im Staat South Carolina eine TV-Reporterin durch Steine, die bei einem Protest vor einer Polizeiwache geworfen wurden. Sie kam ins Krankenhaus. In Los Angeles drängten Beamte mit Schlagstöcken und Gummigeschossen Demonstranten zurück, die "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen) riefen. Ein Mann versuchte mit einem Skateboard die Windschutzscheibe eines Polizei-Geländewagens zu zertrümmern. Ein mit Graffiti besprühter Streifenwagen stand auf den Straßen von L.A. in Flammen.

In Detroit wurde ein Mensch getötet, als jemand Schüsse auf einen Geländewagen abgab. Die Polizei hatte zunächst gemeldet, jemand habe von dem Wagen aus auf eine Menge gefeuert. In St. Louis wurde zum Tod eines Demonstranten ermittelt, der zwischen zwei Anhänger eines Lastwagen des Kurierdiensts Fed Ex geklettert war. Als der Wagen losfuhr, kam der Mann um.

Zu besonders massiver Gewalt kam es auch in Atlanta im Staat Georgia und im New Yorker Stadtteil Brooklyn. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio drohte sowohl Protestierenden als auch Polizisten nach deren hartem Vorgehen mit Konsequenzen.

Die großen Menschenmengen bei den Protesten, bei denen viele trotz der aktuellen Corona-Pandemie weder Gesichtsmasken tragen noch die Abstandsregeln befolgen, haben bei Gesundheitsexperten Sorge vor einer möglichen weiteren Ausbreitung des neuen Virus ausgelöst.

© SZ.de/ap/kler

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Von Thorsten Denkler

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