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USA:Halleluja, sing ein Lied!

Trump-Gegner riefen zu seinem Boykott auf: Startenor Andrea Bocelli.

(Foto: AFP)

Angeblich will nicht mal mehr Andrea Bocelli für den neuen Präsidenten "Time to Say Goodbye" singen. Das Trump-Team sucht dringend Künstler für die Amtseinführung.

Im Original heißt das Lied nicht "Time to Say Goodbye", sondern "Con te partirò". Es geht um einen Typen, dem "die Worte fehlen", weil in seinem Zimmer "die Sonne fehlt", und deshalb möchte er "fortfahren auf Schiffen über die Meere", die allerdings gar "nicht mehr existieren", und eigentlich sei es ja "Zeit, auf Wiedersehen zu sagen". So ganz genau hat man den Text nie verstanden, weder auf Italienisch noch auf Englisch. Aber zum Weinen schön war das Lied halt doch. Erstens, weil es Tenor Andrea Bocelli so wunderbar sang. Und zweitens, weil man immerzu an Henry Maskes Abschied aus dem Boxring vom 23. November 1996 dachte. Da durften Andrea Bocelli und Sarah Brightman die Schnulze gleich zweimal vortragen - 16 Millionen Fernsehzuschauern standen Tränen in den Augen.

Ob Andrea Bocelli dieses Lied auch am 20. Januar zur Amtseinführung von Donald Trump in Washington gesungen hätte? Also vielleicht ein bisschen umgeschrieben, so nach dem Motto: Hey Leute, jetzt brettern wir aber voll in die Sonne, auf meinem geilen Motorboot?

Man wird es nie erfahren. Bocelli soll so eine Art Notlösung für das Trump-Team gewesen sein, nach dem öffentlichen Korb von Elton John ("Wir brauchen Menschlichkeit im Weißen Haus, keinen Barbaren"). Später war davon die Rede, dass man sich um Bruno Mars, Justin Timberlake und Kid Rock bemühe. Mit Erfolg? Schließlich meldeten diverse Klatschportale, das Trump-Team habe Bocelli gewinnen können. Doch der Italiener schwieg. Im Internet riefen Trump-Gegner sicherheitshalber schon mal zum Bocelli-Boykott auf.

Nun will die New York Post erfahren haben, die Sache sei dem Tenor "zu heiß" geworden, womöglich habe sogar Trump den Sänger fürsorglich zum Verzicht gedrängt. Während Barack Obama bei seiner Amtseinführung also noch von Aretha Franklin und Beyoncé besungen wurde, scheinen für Donald Trump neben der 16 Jahre jungen Jackie Evancho (sie hat in einer wichtigen US-Talentshow immerhin den zweiten Platz belegt und darf die Nationalhymne singen) noch genau zwei Künstler übrig zu bleiben: erstens US-Rapper Kanye West ("I've been on my shit/Whole world on my dick"), den Trump seinen "Freund" nennt. Zweitens der etwas weniger bekannte Matt Healy, Sänger der britischen Indie-Band The 1975. Der hat nämlich der BBC erklärt, er wäre grundsätzlich schon dafür bereit, für Trump zu singen. "Unter einer Bedingung: Sie müssten mir das Geld vorher geben. Und zwar mindestens eine Million Pfund."