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Urteil gegen Callboy in Lübeck:Neun Jahre Haft für Tötung von Freier

Erst eine Auto-Alarmanlage führte Polizisten zu der Leiche: Ein Callboy erschlug seinen 73 Jahre alten Kunden und versteckte ihn drei Monate lang im Kofferraum von dessen Wagen. Nun hat das Landgericht den Prostituierten zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Wegen Totschlags an einem 73 Jahre alten Kunden hat das Landgericht Lübeck einen 24-jährigen Callboy zu neun Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der geständige Angeklagte seinen Freier im Dezember 2011 auf einem Parkplatz mit einem Hammer erschlagen und die Leiche drei Monate lang im Auto des Opfers versteckt hatte.

Die Aussage des Angeklagten, der 73-Jährige habe ihn zwölf Jahre zuvor vergewaltigt, habe im Prozess weder bewiesen noch widerlegt werden können, sagte der Vorsitzende der I. Großen Strafkammer in der Urteilsbegründung. Ähnlich hatte auch die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer argumentiert: Die Anschuldigung sei möglicherweise eine Schutzbehauptung, hatte die Staatsanwältin in der vergangenen Woche ausgeführt. "Auch nach den Aussagen des psychiatrischen Sachverständigen ist nicht klar, ob diese Vergewaltigung jemals stattgefunden hat oder nicht."

Mit seinem Urteil entsprach das Gericht der Forderung der Anklage. Die Verteidigung hatte eine Strafe zwischen sieben und acht Jahren Haft beantragt. In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte erstmals im Verlauf des Prozesses Reue gezeigt. "Mir tut die Sache leid. Ich weiß, dass ich einen schweren Fehler begangen habe. Die Tat verfolgt mich im Traum, ohne Medikamente kann ich nicht schlafen", sagte der 24-Jährige.

Nach der Tat hatte der Angeklagte nach eigener Aussage zunächst versucht, die Leiche zu vergraben, dann sie zu verbrennen. Als beides fehlschlug, versuchte er, den Toten zu zersägen. Als auch das scheiterte, packte er die Leiche des 73-Jährigen in dessen Auto und stellte das Fahrzeug in einer Tiefgarage in Glinde im Kreis Stormarn ab. Erst als im März dieses Jahres die Alarmanlage des Autos losging und genervte Anwohner die Polizei riefen, wurde die Leiche im Kofferraum entdeckt.

© Süddeutsche.de/dpa/leja