Umstrittene Internetseite kreuz.net Wer schreibt für kreuz.net?

Neben dem Pfarrer lassen sich auch andere Autoren identifizieren. Der Süddeutschen Zeitung liegt eine Liste mit Personen vor, die an die Redaktion des Hetzportals Mails schickten. Einer der Absender ist Walter B., Rentner aus Magdeburg. B. war bis 2007 Muslim, bei einer Reise nach Mekka fiel er jedoch vom Glauben ab. Heute bezeichnet er sich als Atheisten, allerdings befasst er sich als Übersetzer aus arabischer Warte mit dem Palästina-Konflikt. In Israel hat er Einreiseverbot.

Die Frage, ob er es für möglich halte, dass neutrale Leser ihn für einen Antisemiten halten könnten, bejaht er ohne Umschweife. Und kreuz.net? Ja, da habe er Artikel hingeschickt, die seien auch publiziert worden. Die kreuz.net-Redaktion habe sich auch der Kurznachrichten und der Illustrationen des Magazins der Freunde Palästinas bedient. Als die verbale Leichenschändung gegen Dirk Bach einsetzte, habe er sich von kreuz.net verabschiedet. "Der Tonfall ist mir zu ätzend", sagt B., "mit diesem Klerikalfaschismus kann ich nichts anfangen." B. könnte eine der Hauptquellen für judenfeindliche Berichte aus Nahost gewesen sein.

Genauso freimütig erzählt Wilhelm D., ein zölibatär lebender früherer Religionslehrer aus Augsburg, von seinen Kontakten mit der anonymen Redaktion. Ja, er habe ihr Beiträge geschickt: "Einmal habe ich total gegen die Seligsprechung von Johannes Paul II. geschossen, ein anderes Mal musste ich unseren Bischof gegen Angriffe verteidigen." Kreuz.net habe redigierte Versionen zur Autorisierung zurückgeschickt und dann veröffentlicht. Gegenwärtig vertieft er sich in die Gender-Debatte. Gut möglich, dass er seine Meinung demnächst auf kreuz.net kundtut.

Zu heikel? Zu bösartig? kreuz.net nimmt alles

Ein weiterer Autor, der sich im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung offen zu seinen Artikeln bekennt, heißt Andreas K. und arbeitet in Österreich als selbständiger Unternehmensberater. Und im Internet ist er, ehrenamtlich, "als Lebensschützer" aktiv. Das heißt konkret: "Ich kämpfe gegen die herrschende Form der politischen Korrektheit, Zensur, Tabuisierung von Themen wie Abtreibung und Organentnahme bei Sterbenden und gegen Meinungsgleichschalterei."

Was anderen Print- und Onlinemedien wie dem Standard, der Presse und kath.net zu heikel oder zu bösartig ist, bekommt er auf kreuz.net unter. Die Sprache, mit der das Portal viele Beiträge intoniert, sei ihm unangenehm, sagt K., aber das nehme er in Kauf. Was die redaktionelle Bearbeitung seiner Texte angeht, habe er das Portal als korrekt erlebt, korrekter als andere Medien. Der Lebensschützer klingt wie einer von diesen älteren Menschen, die Hitler verteidigen, weil er die Autobahnen baute.