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Transrapid:Milliardenprojekt wird verramscht

Transrapid 09

Attraktives Angebot? Die Magnetschwebebahn "ThyssenKrupp" Transrapid 09, noch bis 25. Oktober zu haben.

(Foto: Ingo Wagner/dpa)

Der Transrapid war einmal ein deutsches Prestigeobjekt. Nun wird ein Teil davon versteigert. Zu den Interessenten gehören auch Schrotthändler.

Wenn die Bundesrepublik Deutschland ihre Lagerbestände ausmistet, dann macht sie das wie manche Privathaushalte. Sie versucht, Altlasten in Geld zu verwandeln. Beim staatlichen Verwertungsunternehmen Vebeg sind gerade wieder tolle Sachen im Angebot. Da wären zum Beispiel der Bürocontainer-Komplex Alho oder das Solas-Festrumpfboot Falcon, es wurden auch schon Starfighter und Airbusse verscherbelt. Momentan oben auf der Liste: die Magnetschwebebahn Thyssen-Krupp Transrapid 09. Der Transrapid, mit dem Edmund Stoiber einst den Münchner Hauptbahnhof an Bayern heranrücken wollte - verramscht.

Am Dienstag und Mittwoch konnte der letzte Zug der Serie auf der Versuchsanlage an der Herrmann-Kemper-Straße in Lathen im Emsland von angemeldeten Kaufinteressenten besichtigt werden. Dort parkt er, seit der Betrieb 2011 eingestellt wurde. Bis zum 25. Oktober um 13 Uhr kann bei der Vebeg in Frankfurt am Main geboten werden. Dann entscheidet das Verkehrsministerium, wer das letzte Relikt aus dem Milliardengrab Transrapid bekommt.

Tragische Geschichte: Unterwegs ist der deutsche Geistesblitz statt in München, Berlin oder Hamburg ja nur zwischen Stadt und Flughafen Shanghai, China, seit 2004. Die norddeutsche Teststrecke dagegen wurde vor fünf Jahren stillgelegt und das Projekt beerdigt - aus Kostengründen und auch, weil bei einem Unfall des Transrapid 08 am 22. September 2006 in Lathen 23 Menschen ihr Leben verloren hatten. Ausgerechnet kurz nach dem zehnten Jahrestag der Tragödie begann nun diese Versteigerung des Transrapid 09.

Andere Modelle des Projekts landeten in Museen, der TR 01 im Deutschen Museum in München, der TR 04 im Technik-Museum Speyer und der TR 05 im Technik-Museum Kassel. Was geschieht mit dem führerlosen TR 09, der Schlussnummer? Baujahr 2007, 75 Meter lang, 156 Sitzplätze, Höchstgeschwindigkeit 500 Kilometer pro Stunde, Gewicht 170 Tonnen. Ein Vermögen hatte die Entwicklung verschlungen, übrig bleibt bestenfalls ein Spottpreis. Dass den Transrapid 09 wieder jemand in Betrieb nehmen will, ist eher unwahrscheinlich. Allein eine Verlegung würde sehr teuer, den Transport müsste der Käufer bezahlen.

Das letzte Wort hat am Ende der Auktion Verkehrsminister Alexander Dobrindt, CSU. Zu den wenigen Bewerbern gehören offenbar Schrotthändler, das wäre ein deprimierendes Finale für diesen Geistesblitz Made in Germany. Auch eine Firma aus Nortrup bei Osnabrück, deren Gründer Hermann Kemper als Erfinder der Magnetschwebebahn gilt, soll dabei sein. Von einem Eventlokal im TR 09 war außerdem die Rede, und die Samtgemeinde Lathen wiederum würde den Transrapid 09 gerne in der niedersächsischen Kleinstadt behalten. Ein Magnetschwebebahnmuseum wünscht sich der Bürgermeister, immerhin war die Technik in dieser Gegend mehr als drei Jahrzehnte lang ausprobiert worden. Die alte Denkmalsdampflok "Pingel Anton" am Bahnhof von Lathen, so heißt es auf der städtischen Website, wurde bereits kürzlich restauriert.

© SZ vom 13.10.2016
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