Tod von Sir Nicholas Winton Der Mann, der 660 Kinder vor den Nazis rettete

(FILES) -- A file photo taken 09 October 2007 shows British Sir Nicholas Winton backstage at Prague's Congress Center Hall before a meeting which paid tribute to him after he rescued about 669 mostly Jewish Czech children from their doomed fate in the Nazi death camps prior to the outbreak of World War II in an operation known as the Czech Kindertransport. Nicholas Winton, a Briton who saved hundreds of Jewish children in Prague from the Nazis in the run-up to World War II, has died at the age of 106, his family said on July 1, 2015. AFP PHOTO/ MICHAL CIZEK

(Foto: AFP)
  • Sir Nicholas Winton, der vor dem Zweiten Weltkrieg 660 Kinder vor den Nazis rettete, ist im Alter von 106 Jahren verstorben.
  • Die Rettungsaktion des Briten wurde erst 1988 durch eine BBC-Sendung einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Winton hatte jahrzehntelang darüber geschwiegen.

Mehr als 600 Kinder vor den Nazis gerettet

Der Brite Sir Nicholas Winton, der 660 jüdische Kinder aus der Tschechoslowakei vor dem Holocaust rettete, ist im Alter von 106 Jahren gestorben. Er sei am Mittwochmorgen im Beisein seiner Tochter Barbara friedlich eingeschlafen, teilte der Rotary Club in Maidenhead bei London mit, dessen Mitglied er seit 1959 war.

Winton hatte unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs acht Züge für jüdische Kinder aus Prag nach London organisiert. Er war im Dezember 1938 auf dem Weg in den Skiurlaub, als ihn ein Hilferuf aus Prag erreichte. Spontan entschloss er sich, zu helfen. Er trieb die Garantiesumme von 50 Pfund pro Kind auf - heute wären das etwa 3500 Euro. Der Börsenmakler suchte unermüdlich Pflegefamilien in Großbritannien. "Wenn es nicht unmöglich ist, dann gibt es einen Weg", wurde zu seinem Lebensmotto.

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Der Brite Nicholas Winton rettete Hunderte tschechische Kinder vor dem Vernichtungswahn der Nazis. Nun reiste der Greis nach Prag - und brachte Tschechiens Präsidenten dazu, das Protokoll zu brechen.

Die Tschechoslowakei war auf Betreiben von Nazi-Deutschland nach dem Münchner Abkommen vom Herbst 1938 auf einen Rumpfstaat um die Hauptstadt Prag herum geschrumpft (hier mehr dazu). Nach der von NS-Diktator Adolf Hitler befohlenen "Zerschlagung der Rest-Tschechei" marschierte die deutsche Wehrmacht Mitte März 1939 in Prag ein. Die Nazis errichteten ein brutales Besatzungsregime und nannten Tschechien nurmehr "Böhmen und Mähren".

Der letzte Zug erreichte sein Ziel nicht mehr

Winton machte trotz der deutschen Invasion weiter. Acht Züge mit 669 tschechischen Kindern erreichten sicher London. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs duldete das Nazi-Regime die Transporte. Doch der letzte und größte Zug durfte Prag am Tag des Kriegsbeginns nicht mehr verlassen. Heute geht man davon aus, dass die meisten der 250 Kinder an Bord im Konzentrationslager starben.

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Er sei nur "am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen", sagte er einmal. Jahrzehntelang hatte er kein Aufhebens um die Rettungsaktion gemacht. Erst im Jahr 1988 machte eine britische Fernsehsendung die Geschichte der Kindertransporte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Vorigen Oktober noch nahm Winton persönlich in Prag die höchste tschechische Auszeichnung, den Orden des Weißen Löwen, entgegen.

Wegen der Rettungsaktion wurde Winton auch der "britische Schindler" genannt. Doch der Vergleich mit dem Industriellen missfiel dem bescheidenen Mann. Der frühere Börsenmakler, der von deutsch-jüdischen Einwanderern abstammte, war am 19. Mai 1909 in London geboren worden.