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Tebartz-van Elst:Limburger Bade-Wahn

  • Das Bistum Limburg hat zur Begehung der bischöflichen Privatgemächer geladen, entworfen nach den Wünschen eines gewissen Tebartz-van Elst.
  • Die vieldiskutierte Badewanne ist harmlos, dafür gibt es andere teure Spielereien.
  • Im Moment steht der 31-Millionen-Euro-Bau leer - durch die öffentlichen Räume sollen bald Besucher geführt werden, was mit dem privaten Trakt geschieht, ist noch ungewiss.

Eigentlich wollen alle nur das Badezimmer sehen. Mitsamt Deutschlands berühmtester und legendenumwobener Wanne. Der Wanne des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, der die Stadt, das Bistum und die katholische Kirche bekanntlich in größte Schwierigkeiten gebracht hat und deshalb sein Bischofsamt an der Lahn verlor. Der Mann ist nicht mehr in der Stadt, die Kirche aber leidet stark unter seinem Erbe.

Zu den Hinterlassenschaften gehört der skandalös teure Bischofssitz, eine Luxus-Immobilie in Spitzenlage mit äußerst schlechtem Ruf. Der Bau, der ursprünglich fünf Millionen Euro kosten sollte und inzwischen mindestens 31 Millionen verschlang, steht leer und die Limburger Bistumsoberen würden ihm nur allzu gern wieder Leben einhauchen. Wenn da nicht diese üble Aura wäre.

Um die zu vertreiben, öffnete das Bistum am Freitag erst- und erklärtermaßen letztmals die Türen zu den privaten Gemächern des Bischofs, entworfen nach den Wünschen von Tebartz-van Elst. Man möchte das Gebäude "entmystifizieren", zeigen, dass nun ein neuer Geist weht auf dem Domberg. Also, Türen auf. Glasnost in Limburg.

Pompös ist anders

Im Haus, in dem sich die Amtsräume und auch die Privatwohnung befinden, riecht es muffig. Kein Wunder, es wird kaum benutzt. Viel Stein, viel Glas, ein kühler Bau, die Ausstattung vom Feinsten. Die Privatwohnung erstreckt sich über zwei Etagen, verfügt über ein helles Wohnzimmer mit Kamin, Arbeitsraum, Gästeklo, Küche. Geräumig und komfortabel, aber nicht sonderlich pompös.

Über eine Holztreppe geht es in das Untergeschoss. Ein Schlafzimmer mit begehbarem Kleiderschrank und, ja, auch Bad mit frei stehender Wanne. Was wurde über die nicht alles kolportiert. Biete Platz für zwei Personen, habe 15 000 Euro gekostet - alles Quatsch. Es handelt sich um ein gehobenes Modell aus deutscher Produktion, das in etlichen anderen Haushalten steht. Der Preis betrug 4000 Euro, Montage inklusive. Und nein, es gibt im weißgekachelten Bad keine goldenen Wasserhähne, aber eine für einen Ein-Personen-Haushalt äußerst großzügige Wellness-Dusche und ein Bidet.

Bischof Tebartz van-Elst im Limburger Bischofssitz

Beten, wo einst Tebartz van-Elst die Arme ausbreitete - jetzt auch für Normalsterbliche möglich in der Kapelle des Bischofshauses.

(Foto: dpa)

Illuminierte Treppenstufen und ein Zierfischteich

Im Untergeschoss ist es düster, aus den Fenstern schaut man auf die nahestehenden mittelalterlichen Felsmauern; wer dort einzieht, darf nicht klaustrophobisch sein. Und sollte sich mit moderner Technik auskennen. Die Vorhänge im Schlafzimmer werden per iPad bewegt, wenn man mag, kann man auf diese Weise die gesamte Haustechnik steuern.

Schnickschnack findet sich auch anderswo, im Gästezimmer etwa. Dort schwebt ein Edel-Fernseher per Tischlein-Deck-Dich-Technik aus einer Wandkonsole. Aufwendige Beleuchtung in der gesamten Wohnung, jede Treppenstufe ist diskret illuminiert. Zwischen Felswand und Schlafzimmerfenster ein mit 213 000 Euro ziemlich kostspieliger Zierfischteich, den eigentlich auch niemand sieht. Vom einstigen Hausherrn gibt es in der Wohnung keine persönlichen Hinterlassenschaften mehr. Beim Auszug im Sommer hat er nur ein paar Löcher in den weißen Wänden hinterlassen, dort hingen einst Familienstücke.

Sein Porträt allerdings findet sich immer noch im Gebäude, im Konradinerkeller, wo die Galerie der Limburger Bischöfe untergebracht ist. Sein Bild ist äußerst traditionell, es zeigt ihn im Bischofsornat, um den Hals ein Goldkreuz. Keine Frage: Dieser Mann hält sich selbst für recht bedeutsam. Daneben hängt das Porträt seines Vorgängers, Franz Kamphaus. Der posierte in einem einfachen schwarzen Rock, das Kreuz um seinen Hals ist aus Holz. Das Tebartz-Bild sagt mehr über den Mann aus als die nach seinen Wünschen gestaltete Immobilie.

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Die Zukunft des Hauses - ungewiss

Würde man selbst dort wohnen wollen? Die Bistumsleute sagen, privat würden sie da nicht einziehen. Aber das Gebäude ist nun mal da, irgendetwas sollte damit geschehen, es war schließlich teuer genug.

Besuchergruppen will man künftig durch die offiziellen Räume führen, kleinere Empfänge veranstalten und kirchliche Treffen. Ob und wann ein neuer Bischof einmal dort Quartier bezieht, weiß kein Mensch. Eine üble Aura vertreibt man bekanntlich nicht so schnell. Gut möglich, dass der Limburger Bischofssitz ein steinernes Mahnmal wird für Irrungen und Wirrungen katholischer Würdenträger.

Vielleicht kann man die Wohnräume aber auch umfunktionieren, wenn sich der Tebartz-Nachfolger wirklich für eine andere Unterkunft entscheiden sollte. Der Bischofssitz grenzt an das Diözesan-Museum, das aus allen Nähten platzt und gern weitere Exponate ausstellen würde. Die Räume sind groß genug und perfekt beleuchtet. Und für die legendäre Wanne fände sich bestimmt ein Abnehmer.

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