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SZ-Kolumne "Mitten in":Ist denn schon Weihnachten?

In Los Angeles war der Sohn unseres Autors seit acht Monaten nicht in der Schule. Kein Wunder, dass er sich bei seinen Wünschen um einen Monat verschätzt. Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Los Angeles

Illustration: Marc Herold

Irgendwie kann man den elf Jahre alten Buben, der seit acht Monaten nicht in der Schule war, verstehen - aber dass er sich in eine Mischung aus Meisterdetektiv Hercule Poirot (er hat im Lockdown drei Bücher gelesen) und CNN-Prediger Chris Cuomo verwandelt? Surfen und Skaten sind die einzig akzeptierten Covid-Sportarten, die Teenager fahren auf E-Bikes zu den Stränden und Parks. Nun hat Poirot junior kombiniert, dass sein alter Herr ein grandioses Weihnachten will (der Baum steht schon) und dass der Black Friday wegen Corona virtuell stattfindet. Man könnte doch, hüstel, das Fahrrad schon jetzt ... Und dann kommt der argumentative K.-o.-Schlag von Klein-Cuomo: "Wenn ich weiter wegfahren kann, bin ich weniger daheim." Das Rad ist am Donnerstag gekommen, einen Tag vorm Black Friday. Na, dann schon mal: Frohe Weihnachten! Jürgen Schmieder

Mitten in ... Paris

Illustration: Marc Herold

Als ich die erste Maus in unserer Küche entdeckte, kletterte ich auf einen Stuhl und kreischte, wie eine Comicfigur. Am Anfang bekam diese Anekdote mehr Aufmerksamkeit als die Mäuse. Alle warteten darauf, dass ich als Nächstes auf einer Bananenschale ausrutschen würde. Stattdessen zogen Maus zwei, drei, vier und fünf ein. Und die Nachbarin erklärte: "Ich hasse Katzen. Ich habe nur eine, weil ich Mäuse noch mehr hasse." Als wir den Kammerjäger das dritte Mal rufen wollten, sagte der: "Ich glaube, wir können da nichts machen. Die kommen ja durch die kleinsten Löcher." Weil so eine realistische Einschätzung des eigenen Berufes selten ist, stieg mein Respekt für den Kammerjäger. In Lockdown Nummer zwei hat sich nun auch unser Verhältnis zu den Mäusen geändert. Wir nennen sie "Mausi". Man muss in dieser Zeit für jeden Kontakt dankbar sein. Nadia Pantel

Mitten in ... München

Illustration: Marc Herold

Feiern haben derzeit einen schlechten Ruf, aber jemand muss ja die Branche retten. Also fröhlich einmarschiert in einen Laden mit dem vielversprechenden Namen Feiermeier, den man, würden Kinderträume je wahr, selbst eröffnet hätte, um seine Arbeitstage zwischen Knallfröschen, Wunderkerzen und Luftschlangen zu verbringen. Man lässt 50 blaue, rote und gelbe Ballons füllen, knotet alle Bänder am Arm fest und schwebt durchs novembergraue Sendling. Kinder winken, selbst professionell schlecht gelaunte DHL-Fahrer hupen lachend. Das 50-jährige Geburtstagskind vollführt kniezersetzende Freudensprünge, Konfetti fliegt durch die Luft. Sollte man nicht doch Scherzartikelladenbesitzerin werden? Selbst auf der ballonfreien Heimfahrt strahlen einen Fremde in der U-Bahn an. Zufall? Wohl eher das Glitzerkonfetti im Haar, das man später bemerkt. Iris Mayer

© SZ/nas
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SZ-Kolumne "Mitten in"
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