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Supermarkt-Verbot:Schüler müssen leider draußen bleiben

Ein Anruf bei Gerd Hamacher, der in einem seiner Supermärkte allen Schülern Hausverbot erteilte - weil ihm die jungen Kunden zu dreist wurden.

Einen Supermarkt 500 Meter neben einer Schule zu besitzen, ist zunächst mal eine lukrative Angelegenheit. Doch Gerd Hamacher, Rewe-Chef in Bornheim-Merten (Rhein-Sieg-Kreis) im Rheinland, gingen seine jungen Kunden so sehr auf die Nerven, dass er sämtlichen Schülern drei Tage Hausverbot erteilte.

Schulranzen - säuberlich aufgereiht: In einem Supermarkt in Nordrhein-Westfalen sorgten Kinder allerdings nun für Chaos.

(Foto: Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Wie viele Snickers haben Sie weniger verkauft, nachdem Sie den Markt für Schüler gesperrt hatten?

Gerd Hamacher: Das kann man nicht zählen. Aber ein paar waren es schon.

sueddeutsche.de: War's das wert?

Hamacher: Ja, auf jeden Fall.

sueddeutsche.de: Warum? Waren die Schüler so schwer zu ertragen?

Hamacher: Es wurde immer schlimmer. Die Situation ist eskaliert, meine Mitarbeiter kamen nicht mehr klar. Da habe ich mir selber ein Bild von der Lage gemacht. Die Schüler kamen in den Schulpausen, haben zum Beispiel im Laden Sachen angegessen und dann zurück ins Regal geworfen.

sueddeutsche.de: Was denn zum Beispiel?

Hamacher: Vor allem Bifis. Oder sie rissen Süßwarenbeutel auf, Bonbons zum Beispiel. Da nehmen die sich dann welche raus und stecken sie sich in die Tasche. Das ist Mundraub und Diebstahl. Natürlich: Ein Kavaliersdelikt einerseits, aber für mich eben sehr ärgerlich.

sueddeutsche.de: Was für Schlingel.

Hamacher: Ja. Und zwar kleine und große. Acht-, Zehn-, Zwölf-, Fünfzehnjährige, alles dabei. Die entsprechende Schule ist auch eine Gesamtschule, man kann das Verhalten also nicht auf Haupt-, Realschüler oder Gymnasiasten münzen. Außerdem möchte ich ja niemanden diskriminieren.

sueddeutsche.de: Ehrlich? Sie haben immerhin gleich sämtliche Schüler ausgesperrt ...

Hamacher: Stimmt schon: Die Schüler, die nichts getan haben, die waren halt mit brüskiert. Und nur eine Minderheit der Schüler waren Störer. Allerdings galt das Verbot nur in einem meiner drei Supermärkte.

sueddeutsche.de: Wie geht's denn jetzt weiter?

Hamacher: Das Verbot ist seit Mittwoch wieder aufgehoben, es galt drei Tage lang. Die Schule hat das Gespräch gesucht, mehrere Schüler kamen in den Laden und haben sich entschuldigt. Und jetzt verkaufen wir auch wieder mehr Snickers.

sueddeutsche.de: Und wenn ein paar wieder Blödsinn machen?

Hamacher: Ob ich nochmal alle Schüler aussperren würde, weiß ich nicht. Die Kritik von mehreren Seiten war ziemlich heftig. Da hieß es dann, ich würde Jugendliche diskriminieren. Dabei habe ich doch noch nur von meinem Hausrecht Gebrauch gemacht.

© sueddeutsche.de/grc/mel
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