Süditalien Mindestens zehn Menschen sterben bei Ausflug in Schlucht

  • Mehrere Menschen sind bei einem Ausflug in einer Schlucht in Süditalien ums Leben gekommen.
  • Starker Regen hatte die Raganello-Schlucht nahe der Berggemeinde Civita in der Region Kalabrien anschwellen lassen, berichten italienische Medien.
  • Nach jüngsten Angaben wurden 26 Menschen gerettet. Die Suche nach eventuellen weiteren Vermissten geht weiter.
  • Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen um zu klären, ob die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre.

Mehrere Menschen sind bei einem Ausflug in einer Schlucht in Süditalien ums Leben gekommen. Nach offiziellen Angaben gebe es mindestens zehn Tote. Drei Vermisste seien am Dienstag wohlbehalten aufgefunden worden, teilte der italienische Zivilschutz mit. Sie sollen einige Kilometer von der Schlucht entfernt aufgefunden worden sein.

Insgesamt konnten 26 Menschen konnten gerettet werden. Elf Personen wurden in ein Krankenhaus gebracht. Insgesamt sollen sich mindestens 36 Wanderer in organisierten Gruppen in der Schlucht befunden haben. Indes dauere die Suche nach möglichen weiteren Opfern an. Es kann offenbar nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch weitere Personen in dem Gebiet aufhielten, als sich der eigentlich fast ausgetrocknete Raganello in einen reißenden Strom verwandelte.

Das Unglück ereignete sich in der gleichnamigen Raganello-Schlucht, nahe der Berggemeinde Civita in der Region Kalabrien. Mit ihren spektakulären, teils mehrere hundert Meter hohen Felswänden und dem glasklaren Wasser ist der Canyon ein beliebtes Ausflugsziel. Starker Regen hatte den Fluss in der Schlucht am Montag anschwellen lassen. Ausflügler wurden von dem Hochwasser überrascht. "Das Wasser hat alles mitgerissen, was es finden konnte, leider auch Menschen", sagte Domenico Gioia, der für die italienische Vereinigung AIGAE Exkursionen durch Kalabrien führt und sich am Dienstag nahe der Einsatzstelle in der Berggemeinde Civita befand.

Eine derartige Überflutung des Raganello-Stroms geschehe häufig im Winter, sei aber noch nie im Sommer vorgekommen, sagte Luca Franzese vom alpinen Rettungsteam in Kalabrien der Nachrichtenagentur Ansa. Die Wassermassen sei zwar über der Region niedergegangen, aber nicht unmittelbar über der Schlucht, erklärte Gioia. Womöglich merkten die Ausflügler nicht, wie viel Regen in den umliegenden Bergen niederging und den "fast trockenen Bach", wie Gioia sagte, in einen reißenden Fluss verwandelte. "So eine Situation hatten wir hier seit 40, 50 Jahren nicht mehr."

Die Schluchten des Raganello sind wegen der vielen Herausforderungen auf der Strecke erfahrenen Wanderern oder angeleiteten Gruppen vorbehalten. Die örtlichen Behörden haben den Zugang in diese Gegend streng reguliert, und einige Bereiche markiert, um Rettern dabei zu helfen, Wanderer in Not ausfindig zu machen.

Ein Wanderer berichtet von "einer wahren Lawine aus Wasser"

Es stellt sich die Frage, ob die Tragödie vermeidbar gewesen wäre. Die Staatsanwaltschaft hat der Nachrichtenagentur Ansa zufolge Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Italiens Umweltminister Sergio Costa sagte bei einem Besuch vor Ort am Dienstag, sein Ministerium habe einen Bericht bei der Präfektur von Cosenza angefordert. Es müsse rasch geklärt werden, was vor dem Unglück falsch gelaufen sei. Der Vizepräsident der kalabrischen Bergrettung, Giacomo Zanfei, warnt vor voreiligen Schlüssen. Die Guides in der Raganello-Schlucht seien sehr erfahren und spezialisiert. "Deswegen wird hier niemand kriminalisiert. Das sind Ereignisse, die ein Mal im Leben passieren."

Beim Eintreffen der Rettungskräfte am Montag sollen sich dramatische Szenen abgespielt haben. "Wasser, Schlamm, Geröll. Und mittendrin die Körper der Ausflügler. Unsere Männer wussten sofort, dass hier etwas Schreckliches passiert ist", erzählte Guido Umile von der Bergrettung dem Corriere della Sera.

Die Tageszeitung La Repubblica berichtete online, dass es einigen Wanderern gelungen sei, sich an den Klippen in Sicherheit zu bringen. Zwei Kinder seien unter den Geretten. Eines davon sei mit einem Helikopter wegen Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte die Bergrettung auf Twitter. "Wir hörten ein Donnern, gleich danach stürzte eine Wassermauer hinunter, die uns wegriss", zitierte die Corriere della Sera eine Italienerin, die gerettet wurde. "Ich habe es geschafft, (...) mich an einem Baum festzuhalten, aber ich sah Körper, die mit wahnsinniger Gewalt fortgespült wurden."

Einige der Unglücksopfer waren in zwei geführten Gruppen unterwegs. Unter den zuletzt Vermissten soll auch ein Fremdenführer aus der Region gewesen sein, der seit Jahren Exkursionen durch die Schlucht anleitet. In der Nacht wurde mit starken Scheinwerfern nach den Vermissten gesucht, am Dienstagmorgen wurde die Suche fortgesetzt, auch per Hubschrauber. Ein niederländischer Wanderer berichtete italienischen Medien, er sei von "einer wahren Lawine aus Wasser", erfasst worden. "Wir hatten keine Zeit irgendetwas zu tun", so der Tourist.