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Stilkritik zu Frank Hanebuth: Der Rocker und eine Horde Waldtrolle

Flughafen Hannover Rocker Boss Frank Hanebuth 51 kommt nach Hause Der Präsident des aufgelösten

Das Geburtstagskind im Rockermann: Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth an Flughafen Hannover.

(Foto: imago)

In Spanien soll Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth der Prozess gemacht werden. Zuvor feiert er aber noch seinen Geburtstag - stilecht in einem Etablissement der übleren Sorte.

Stilkritik von Martin Zips

Im südeuropäischen Ausland werden Deutsche gerne mit Germanen, Kelten oder Hunnen in Verbindung gebracht, vor denen man sich zu hüten habe, da sie über gewaltige Energien verfügten, die sich bei einer Sangría mitunter eruptiv entladen könnten. Als traurige Nachfahren des Homo neanderthalensis gelten sie, welche es im Vergleich mit Südeuropäern in früher Zeit künstlerisch zu wenig (Himmelsscheiben), militärisch dagegen zu Erstaunlichem (Varusschlacht) gebracht hätten.

Um das Vorurteil des Barbarentums zu zerstreuen, brechen Sommer für Sommer sehr viele Deutsche ins Ausland auf und werben an balearischen Stränden für einen modernen Humanismus. So auch der frühere Rotlichtkönig und Präsident der Hells-Angels-Sektion Hannover, Frank Hanebuth. Blöd nur, dass Hanebuth vor drei Jahren auf Mallorca als Chef der dortigen Hells Angels festgenommen wurde, in Spanien wirft man ihm allerlei Hunnenartiges vor. Im kommenden Jahr soll ihm der Prozess gemacht werden.

Nun erhielt Hanebuth erstmals die Genehmigung, Spanien zu verlassen. Für einen Kurzbesuch reiste er zurück in seine alte Heimat Hannover und wurde (zum Entsetzen vieler Freunde de Cervantes') bereits am Flughafen von einer Horde glatzköpfiger Waldtrolle empfangen, welche ihm in einem rätselhaften Ritual eine neue Lederkutte über die Schultern warfen, um ihn anschließend in einem phalanxartigen Konvoi mit Stretchlimousine zu einer ausschweifenden Feier seines 52. Geburtstags in ein übles Etablissement zu begleiten. "Gerechtigkeit für Frank", forderten "Brüder und Freunde" auf Plakaten. Was für ein herber Rückschlag für den europäischen Humanismus!

© SZ vom 13.09.2016/dit
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