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Stilkritik:Pflaster

Die Moderatorin Maybrit Illner taucht unverhofft mit Pflaster im ZDF auf.

(Foto: Screenshot)

Ein Kinn-Pflaster, welches während der gesamten Zeit einer Talkshow keinen einzigen Millimeter verrutscht - so etwas gibt es wirklich nur in unserem wunderbaren Land.

Wie oft fällt eigentlich in einem durchschnittlichen ZDF-Claus-Kleber-"Heute-Journal" das Wort "deutsch", "deutsches", "deutsche", "deutscher" oder "Deutschland"? Sehr, sehr oft. Am Ende so einer Sendung ist einem dann derart heimatlich zumute, dass man sogar die Wetterkarte für komplett deutsch hält, inklusive Nordpol, wo es zuletzt wohl wärmer als im Schwarzwald war. Die Deutschen, so konnte man zuvor erfahren, haben einen deutschen Marshallplan für Kenia (obwohl die gar keinen haben wollen). Auch gibt es ganz aktuell einen formidablen deutschen Leistungsbilanzüberschuss und ein cooles deutsches Filmfestival. Irgendwann, da war das Journal schon wieder vorbei, tauchte dann unverhofft die (deutsche) Moderatorin Maybrit Illner mit Pflaster am Kinn am Bildschirm auf. Vermutlich trug sie ein deutsches Pflaster. Hansaplast. Und toll, während ihrer ganzen Sendung verrutschte das Pflaster keinen Millimeter. Erstens, weil Illner über eine derart ausgefeilte Mimik verfügt, dass ihr noch nicht mal dann die Kinnlade runterklappte, als sich ihre Gäste Reichelt und Platzeck bekriegten. Und zweitens, weil ihr das Qualitätspflaster wirklich ausgezeichnet am lateralen Höckerchen klebte. Leider erklärte Illner nicht, warum sie das Pflaster trug. Geht uns aber auch nichts an. Sie wird schon einen Marshallplan haben.