Stilkritik Ohrstöpsel

Ohrstöpsel, ein begehrtes Objekt in der Not.

(Foto: Frank May/picture-alliance/ dpa)

Joaquín Guzmán, bekannt als El Chapo, sitzt in einem Gefängnis in New York-Manhatten und verlangt nach Ohrstöpseln.

Von Friederike Zoe Grasshoff

Dass Drogenbosse super Typen sind, auf diesen Gedanken kann man schon mal kommen, wenn man apathisch klickend vor seiner Netflix-Amazon-prime-Weltfluchtmaschine sitzt und wieder gar nicht weiß, was es hier eigentlich zu sehen gibt. Außer: Drogenbosse, Drogenmischer, Drogenkapitalisten. Männer, die andere Männer umbringen und ständig sehr viel zu tun haben. "Breaking Bad", "Narcos", "El Chapo " - alles ballernd unterhaltsam, doch irgendwann ballert es so sehr, dass man sich ein paar Ohrstöpsel herbeiwünscht.

Ohrstöpsel wünscht sich auch Joaquín Guzmán, jener Drogenboss aus Mexiko, der unter dem Namen "El Chapo" bekannt oder vielmehr populär geworden ist. Guzmán, dem es zweimal gelang, aus dem Gefängnis auszubrechen, 2001 und 2015, sitzt mittlerweile in einem Hochsicherheitstrakt in Manhattan und ist nun mit einem Antrag auf gelockerte Haftbedingungen gescheitert. Zu hohe Fluchtgefahr, so die Begründung. Was nun doch wieder nach Streaming-Action klingt - anders als die Ohrstöpsel, die ihm der Richter übrigens verweigerte. Passt vielleicht auch nicht so gut zu einem ehemaligen Kartell-Chef, der den Schmuggel von Hunderten Tonnen Kokain, Heroin und Marihuana in die USA organisierte, einem verurteilten Kriminellen, bei dem andere Wünsche sich logischer ins Drehbuch gefügt hätten. Eine Bohrmaschine, ein Helikopter, ein Wäschewagen. Ein Wärter, der ihm schlafwandelnd die Zelle öffnet. Aber Ohrstöpsel? Da bestünde akustische Fluchtgefahr.