bedeckt München
vgwortpixel

Stilkritik:Melania Trump

Melania Trump bei der Amtseinführung ihres Ehemannes Donald Trump.

(Foto: Patrick Semansky/AP)

Die Modewelt blickt mit ihrer eigenen Prioritätensetzung nach Washington: Was wird die First Lady bei der Inauguration tragen? Und vor allem: von wem? Die Antwort: ein Schock.

Einiges spricht dafür, dass die Frage, welches Outfit von welchem Designer Melania Trump an jenem Tag tragen würde, an dem ihr Ehemann zum 45. Präsidenten der USA vereidigt werden sollte - was nicht unwesentliche Teile der Weltbevölkerung erzürnte, beängstigte, deprimierte, mindestens aber fassungslos machte - viel spricht dafür, dass diese Frage die letzte war, die sich stellte. Thank goodness, muss man nun fast schon wieder sagen, gibt es da noch die Mode. Die blickte mit dem ihr eigenen Pragmatismus nach Washington. Die Mehrheit der Modemacher hatten im Vorfeld erklärt, die neue FLOTUS auf gar keinen Fall einkleiden zu wollen. Irgend etwas musste sie aber natürlich tragen, wenn es bekanntermaßen auch Fotos von ihr gibt, auf denen sie nicht so viel an hat. Welcher Designer würde am Ende auf die politische Korrektheit pfeifen und den Inaugurationslaufsteg bespielen, sprich: die dreckigen Dollars nehmen? Auftritt Melania, und sieh an, es ist - Ralph Lauren! Ts, ts, ts! In den Fashionblogs hatten sich die Leute kaum erholt, da kam schon der nächste Schock: Jackie Kennedy! Genau so sah Laurens himmelblaues Ensemble nämlich aus. Nicht mal @realDonaldTrump wird bestreiten, dass Jackie mit einem Demokraten verheiratet war. Sonst aber passte das Kleid ins Konzept wie der Cupcake ins Förmchen: Optimistische, aber nicht grelle Farbe. Feminin, aber nicht sexy. Raffiniert gemacht und dennoch bieder, vom kinnhohen Kragen bis zum kniebedeckenden Rock. Es war ein Outfit, das das Herz des konservativen Amerika wärmte, weil es eine Zeit evozierte, in der die Frau noch Kinder großzog, ihren Mann bei Bedarf schmückte und ansonsten die Klappe hielt. Und genau so wird es ja auch sein, nicht?