Stilkritik Gastgeschenk

Bei Gastgeschenken gilt es, die Balance zu finden zwischen korrekt und kreativ.

(Foto: AFP)

Vor einem Jahr hat Macron den Trumps eine Eiche geschenkt. Prima Idee, die Einpflanzbilder waren super. Doch jetzt stellt sich heraus: So toll war das Mitbringsel dann doch nicht.

Von Nadeschda Scharfenberg

Der Klassiker unter den politischen Gastgeschenken ist der Wandteller, Porzellan mit Goldrand drumherum. Ein bisschen langweilig zwar, aber man kann da so gut wie nichts falsch machen. Ist vielseitig verwend- und vor allem stapelbar, frisst also kaum Platz in den Asservatenkammern dieser Welt. Auch deutsche Politiker exportieren Porzellan, nicht unbedingt als Teller, aber gerne in Gestalt von Berliner Bären oder bayerischen Löwen. Porzellan ist aber nicht in jeder Form geeignet als politisches Präsent. Die britische Premierministerin Theresa May hat First Lady Melania Trump jüngst ein Teeservice überreicht, das nicht gut ankam, jedenfalls nicht bei der Gleichstellungsbeauftragten der Labour-Partei. Küchenutensilien, wie sexistisch!

Die Mächtigen sind aber auch so was von schwer zu beschenken, es ist eine Herausforderung, die Balance zu finden zwischen korrekt und kreativ. So gesehen hat der französische Präsident Emmanuel Macron vor einem Jahr alles richtig gemacht, als er Trump eine Eiche mitbrachte, gewachsen in einem französischen Wald, in dem im Ersten Weltkrieg 2000 US-Soldaten starben. Symbolträchtiger geht's kaum, und die Fotos vom Einpflanzen machten mehr her als jedes Wandteller-Überreichungsbild. Ein paar Tage später war der Baum aber verschwunden, ausgebuddelt, in Quarantäne, wie es die Einfuhrbestimmungen verlangen, gegen Eichenprozessionsspinner und andere unerwünschte Einwanderer. In seiner Isolationshaft sei das Bäumchen eingegangen, heißt es nun aus Diplomatenkreisen. Es hat wohl die negativen Schwingungen zwischen den Ländern gespürt. Wie war das noch mit der Symbolkraft?

Dann doch lieber etwas Unverfängliches schenken beim nächsten Mal, einen Wandteller oder was zum Anziehen ("My friend went to Paris and all I got was this lousy shirt"). Doch Vorsicht: Auch Shirts können eingehen.