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Spektakulärer Kunstdiebstahl:Monet im Kleiderschrank

Er hatte sich als Kunststudent getarnt, das Original durch eine Kopie ersetzt, es zehn Jahre lang bei den Eltern versteckt - "alles aus Liebe": Wie ein polnischer Bauarbeiter zum trickreichen Gemäldedieb wurde.

Bei der Kriminalpolizei Posen wollte man es zuerst nicht glauben: Robert N. soll der Dieb gewesen sein, der vor zehn Jahren den einzigen Monet aus dem Nationalmuseum in Posen gestohlen hat. Das Bild "Der Strand von Pourville" soll mehrere Millionen Euro wert sein. Es war nach dem aufsehenerregenden Diebstahl verschwunden geblieben; die Experten vermuteten es im Tresor eines Privatsammlers im Ausland.

N. war der Polizei als kleiner Tagedieb bekannt, der gelegentlich betrunken randalierte und gestohlene Autoradios verscherbelte. Er war geschieden, seine Ex-Ehefrau verkehrte mit ihm nur über das Jugendamt, weil er keine Alimente mehr für die gemeinsame Tochter zahlte.

Nach der Scheidung war er nach Frankreich gegangen, um dort in einem Pariser Vorort auf dem Bau zu arbeiten. Die Konjunktur brummte Ende der neunziger Jahre, er verdiente gut und hatte den Ehrgeiz, ein besseres Leben zu führen. Er fühlte, dass die Welt der Bauarbeiter ihm nicht reichte. Also besuchte er auch die Pariser Museen, ihn faszinierten die Impressionisten, besonders Claude Monet.

Doch das Heimweh ließ ihn nicht los. Er kehrte nach Posen zurück und ging dort regelmäßig ins Nationalmuseum. An einem schönen Tag im Sommer 2000 beschloss er, den einzigen Monet des Museums zu stehlen.

Er kaufte sich Malutensilien und stellte bei der Museumsleitung den Antrag, zu Studienzwecken berühmte Bilder abmalen zu dürfen. So saß er immer wieder im Saal mit dem Monet, die Museumswächter gewöhnten sich an ihn und ließen ihn unbeaufsichtigt.

Eines Tages war der Moment gekommen: Er hatte unter dem Pullover eine Kopie mitgebracht, gemalt nach einer Fotovorlage. Mit ein paar Messerschnitten entfernte er das Original aus dem Rahmen und klebte die Fälschung ein. Ehe der Tausch bemerkt wurde, war er über alle Berge.

Diebesgut im Kleiderschrank der Eltern versteckt

Die Kriminalpolizei sicherte Fingerabdrücke auf der Glasplatte, allerdings waren sie in keiner Verbrecherkartei gespeichert. Doch einer der Ermittler ließ nicht locker: Immer wieder ließ er sie durchs zentrale Register laufen. Fast zehn Jahre nach dem Diebstahl, als er schon längst die Hoffnung aufgegeben hatte, meldete der Computer: Treffer. Es handelte sich um N., der inzwischen arbeitslos geworden und sozial abgestürzt war.

Seine Fingerabdrücke waren genommen worden, als er beim Besuch des Gerichtsvollziehers randalierte. Als die Polizisten nach dem Monet fragten, in der Annahme, er habe diesen Namen noch nie gehört, gab er sofort alles zu. Noch größer war das Erstaunen, als er erzählte, dass er das Bild keineswegs im Auftrag gestohlen, sondern es sogar behalten habe.

Er hatte es in der Wohnung seiner Eltern, die von nichts ahnten, im Kleiderschrank versteckt. Wenn er allein gewesen sei, so berichtete er, habe er das Meisterwerk vorsichtig ausgepackt, auf dem Tisch ausgerollt und lange betrachtet. Er liebe dieses Bild. Das war auch für die hartgesottenen Kriminalpolizisten etwas Neues: ein heruntergekommener Kleinkrimineller, der in der Meditation über ein berühmtes Gemälde Momente des Glücks erlebt.