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Skandal in Hannover:Polizeipräsident feierte im Rotlichtviertel

Lediglich ein Bier will Christian Grahl in der Sansibar getrunken haben - in Erklärungsnot ist der Polizeichef dennoch: Denn die Kneipe befindet sich nicht nur im Hannoveraner Rotlichtviertel, sondern gehörte früher auch einem berüchtigten Mitglied der Hells Angels. Die SPD sieht die Glaubwürdigkeit der Polizei beschädigt - und fordert Konsequenzen.

Es gibt Etablissements, die sollte ein Polizist nur dienstlich und nicht privat aufsuchen - zumal, wenn er eine herausgehobene Position bekleidet. Eine solche Lokalität ist auch die Sansibar, im Hannoveraner Rotlichtbezirk Steintor gelegen. In eben jener Bar hat nun aber im vergangenen August niemand Geringeres als der Chef der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) des Landes Niedersachsen, Christian Grahl, ausgelassen gefeiert.

Polizeipraesident feierte im Rotlichtviertel

In Erklärungsnot: Christian Grahl, Chef der Zentralen Polizeidirektion des Landes Niedersachsen, hat im vergangenen August mit anderen Beamten eine berüchtigte Hannoveraner Rotlicht-Bar besucht.

(Foto: dapd)

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte über den pikanten Ausflug des Spitzenbeamten berichtet - mittlerweile hat Grahl den Bar-Besuch bestätigt und zeigt sich einsichtig. Er spricht von einer "spontanen, aber unüberlegten und entbehrlichen Aktion". Nach einem Bier habe er die Kneipe, die dem NDR zufolge früher dem Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth gehörte, wieder verlassen. "Es war mein erster und letzer Besuch", wird der 55-Jährige zitiert.

"Er ist seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden"

In dem Bericht heißt es weiter, mit Grahl seien weitere Polizeibeamte in der Sansibar eingekehrt: Dabei soll es sich um Teilnehmer beziehungsweise Besucher der Deutschen Polizeimeisterschaft der Leichtathletik gehandelt haben, die am 18. August dieses Jahres in Hannover stattfand.

Der Fehltritt des ZPD-Chefs ist umso peinlicher, als dass der frühere Polizeipräsident von Niedersachsen, Uwe Binias, seine Beamten noch im vergangenen Jahr vor Besuchen auf dem Kiez gewarnt haben soll. Dem NDR zufolge schrieb Binias in einem Artikel in einer internen Mitarbeiterzeitschrift, es sei ein ein Widerspruch der Interessen, "wenn man in seiner dienstlichen Funktion damit rechnen muss, im Steintorviertel tätig zu werden, aber vorher an gleicher Stelle fröhlich feiert und Kontakte knüpft."

Die SPD fordert nun die Versetzung des Polizeichefs. "Herr Grahl hat mit seiner privaten Feier in einer Bar im hannoverschen Steintorviertel der Glaubwürdigkeit der Polizei in Niedersachsen schweren Schaden zugefügt", sagte der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Klaus-Peter Bachmann. Grahl könne nach einer "schlanken Bitte um Entschuldigung" nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. "Die Glaubwürdigkeit der Polizei verlangt, dass Konsequenzen gezogen werden."

Scharfe Kritik äußerte auch Grahls Vorgesetzter, Innenminister Uwe Schünemann (CDU). "Herr Grahl hat nach seinem Besuch den Innenminister darüber informiert", sagte ein Ministeriumssprecher. Darauf sei ein Personalgespräch gefolgt. "Der Innenminister teilt die Selbsteinschätzung des Besuchs durch Herrn Grahl", sagte der Sprecher. "Er ist seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden."