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Sexismus-Vorwurf:Scheuer verteidigt umstrittene Fahrradhelm-Kampagne

  • Verkehrsminister Andreas Scheuer hat sich gegen Vorwürfe verteidigt, die Fahrradhelm-Kampagne seines Ministeriums sei sexistisch.
  • SPD-Politikerinnen und Fahrradfahrer-Verbände kritisieren, dass das Ministerium ausgerechnet mit leicht bekleideten Models für Verkehrssicherheit wirbt.

Eine wichtige Messgröße für den Erfolg einer Werbeaktion ist: einem Thema größtmögliche Aufmerksamkeit verschaffen. In dieser Hinsicht hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sein Ziel wohl erreicht.

Junge Menschen zum Tragen eines Fahrradhelms zu bewegen, das war die Idee. Das Ministerium kooperierte für die Kampagne mit der Pro7-Sendung "Germany's Next Topmodel" ("GNTM"). Riesige Zielgruppe, dachten sich die Macher der Kampagne, super. Schließlich wird GNTM jede Woche von Millionen, vor allem jungen Menschen gesehen. Dann noch ein salopp-flotter Titel: "Looks like shit. But saves my life", etwas paraphrasiert: "Sieht nicht so toll aus, aber rettet mein Leben."

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Fahrradhelm-Kampagne

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Eigentlich wollte Andreas Scheuer dem Fahrradhelm mit einer Kandidatin von Germany's Next Topmodel zu mehr Beliebtheit verhelfen. Nun sieht sich der Verkehrsminister mit dem Vorwurf konfrontiert, die Werbekampagne sei sexistisch.   Von Oliver Klasen

Doch hängen geblieben ist in der Öffentlichkeit nicht in erster Linie der Präventionscharakter der Aktion, sondern Videoaufnahmen von einem Model, das sich in Unterwäsche auf einem Bett räkelt und dabei einen Fahrradhelm trägt. Albern, peinlich, sexistisch - so lauteten in den sozialen Medien die Vorwürfe gegen Scheuer und sein Ministerium.

Von Werbeprofis gut aufgenommen

Der Minister verteidigt seine Kampagne nun gegen Kritik. Auf Twitter schrieb er: "Das gab es noch nie: In ganz Europa wird jetzt über Fahrradhelme diskutiert." Es tue ihm leid, wenn sich jemand von der Kampagne verletzt fühle. Aber es freue ihn, dass sie von Werbeprofis gut aufgenommen und als mutig bezeichnet werde, sagte der CSU-Politiker am Montag. Auf welche Marketingfachleute sich Scheuer mit dieser Aussage bezieht, ließ er offen.

Man habe "aufrütteln und polarisieren" wollen, ergänzt eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. 400 000 Euro hat die Kampagne gekostet, die nicht nur vom Ministerium, sondern auch vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat unterstützt wird. Für das Fotoshooting selbst, das am vergangenen Donnerstag im Rahmen der jüngsten GNTM-Folge ausgestrahlt wurde, sei von Seiten des Ministeriums kein Geld geflossen.

Mehrere SPD-Politikerinnen forderten indessen einen Stopp der Kampagne. Scheuers Kabinettskollegin Bundesfamilienministerin Franziska Giffey postete am Freitag ein Foto von sich in Business-Kleidung mit Fahrradhelm und schrieb: "Lieber Andreas Scheuer, mit Helm geht auch angezogen."

Auch die Radfahrer-Lobby übte Kritik. "Viele Menschen ärgern sich über so eine Kampagne, viele Menschen fühlen sich überhaupt nicht ernst genommen", sagte Burkhard Stork, der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Anstatt solche Kampagnen zu lancieren, solle sich Scheuer lieber um das Vermeiden und Verhindern von Unfällen kümmern. Verbände wie der ADFC fordern schon lange mehr Tempo-30-Zonen, eine Vorschrift für Lkw-Abbiegeassistenten und besser geschützte Radwege.

Von diesem Dienstag an sollen die Plakate im öffentlichen Raum aufgehängt werden. Alle reden über die Kampagne, aber möglicherweise anders, als das Verkehrsministerium sich das vorgestellt hat.

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