Riesenschildkröte Lonesome George ist tot:Letzter seiner Art

Die wohl berühmteste Riesenschildkröte der Welt ist tot. "Lonesome George" starb im Alter von geschätzt 100 Jahren auf den Galápagos-Inseln. Mit ihm verschwindet eine weitere der vielen Schildkrötenunterarten, die einst das Weltbild der Menschheit revolutionierten.

Leben.

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The dead body of giant Galapagos tortoise 'Lonesome George' is moved on a stretcher from his corral in the island of Puerto Ayora, the Galapagos Islands

Quelle: REUTERS

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Die wohl berühmteste Riesenschildkröte der Welt ist tot. "Lonesome George" starb im Alter von geschätzt 100 Jahren auf den Galápagos-Inseln. Mit ihm verschwindet eine weitere der vielen Schildkrötenunterarten, die einst das Weltbild der Menschheit revolutionierten. Am Sonntag wurde der Kadaver des Reptils von Forschern geborgen.

Die Schildkröten sehen sich alle sehr ähnlich und unterscheiden sich doch in Details: Am Aussehen des Halses, der Form des Panzers. Diese Beobachtung auf dem Galápagos-Archipel im Pazifik war es unter anderem, die den Forschungsreisenden Charles Darwin im frühen 19. Jahrhundert zu seiner bahnbrechenden Erkenntnis gelangen ließ: der Theorie der Evolution. Die Riesenschildkröten unterschieden sich von Insel zu Insel, die Schildkröten auf dem kargen Eiland Pinta - die Unterart Geochelone nigra abingdoni - zum Beispiel hatten längere Hälse, um die wenige Nahrung besser zu erreichen. Doch nicht nur Darwin interessierte sich für die eindrucksvollen Riesen, ....

The dead body of giant Galapagos tortoise 'Lonesome George' is moved on a stretcher from his corral in the island of Puerto Ayora, the Galapagos Islands

Quelle: REUTERS

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... sondern auch Seeleute, die auf ihren langen Reisen Rast auf den Inseln machten, die etwa 1000 Kilometer vor Ecuador liegen. Schildkröten wurden zu willkommenem Proviant: Das Fleisch eines Tieres machte etliche Matrosen satt und an Bord konnten die Tiere bis zu einem Jahr ohne Futter überleben. Nicht nur Seeleute, auch ausgesetzte Ziegen wurden den Reptilien zun Problem. Sie fraßen den Reptilien das wenige Futter weg und 1906 wurde das letzte Exemplar dieser Unterart von Pinta gesichtet. Sie galt als ausgestorben. Bis 1971.

Der tote George wird auf eine Bahre gehievt.

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Quelle: AFP

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Ein Wissenschaftler, der auf der Insel Pinta Schnecken erforschte, sichtete eine einsame Schildkröte. Die Wissenschaftler der Charles-Darwin-Forschungsstation schwärmten aus, fanden das Tier und holten es 1972 in die Schildkröten-Aufzuchtanlage auf Santa Cruz. Es handelte sich um das letzte überlebende Exemplar der vermeintlich ausgestorbenen Unterart. Sie nannten ihn George.

File photo of Lonesome George in Puerto Ayora

Quelle: Reuters

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Aus George wurde Lonesome George: Die Wissenschaftler setzten alsbald alles daran, das Überleben der Riesenschildkröten von Pinta zu sichern. Sie nahmen Genproben von Tausenden Schildkröten, um vielleicht doch noch ein Weibchen seiner Art zu finden. 10.000 Dollar Finderlohn wurden ausgesetzt und weltweit in Zoos und Sammlungen nach einem genetisch passenden Paarungspartner gefahndet. Doch das Bemühen der Forscher blieb erfolglos.

The sole surviving giant Galapagos tortoise known as Lonesome George walks away from a pool on Santa Cruz island

Quelle: REUTERS

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Schließlich wurden zwei Weibchen einer verwandten Art in Georges Gehege gehievt. Doch der einsame George zog es vor, allein zu bleiben. Auch eine spezielle Streicheltherapie, die ihm eine Schweizer Praktikantin vier Monate lang angedeihen ließ und Diät zur Förderung der Spermienproduktion blieben erfolglos.

Am Sonntag fand sein Pfleger George tot in der Nähe eines Wasserlochs. Das Schildkrötenmännchen wurde geschätzte 100 Jahre alt. Die Wissenschaftler hatten ihm noch einige weitere Jahrzehnte Einsamkeit vorausgesagt. Woran die Riesenschildkröte starb, soll eine Untersuchung des Tieres klären.

© Süddeutsche.de/leja/gal/gba
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