Religion "Muslime haben viel größere Probleme"

Ferihan Yeşil, 28, Münchnerin, hat Architektur studiert und wird im kommenden Monat eine Promotion beginnen.

"Jedes Jahr bin ich wieder aufs Neue überrascht, wer zu Festtagen auf einmal alles am Frühstückstisch sitzt. Muslimische Feiertage wie das Opfer- oder Zuckerfest sind für Muslime genauso wichtig wie Weihnachten oder Ostern für Christen. Viele Arbeitgeber, Schulen und Ausbildungsstätten haben bereits ganz selbstverständlich akzeptiert, dass sich Muslime an ihren zwei wichtigsten Feiertagen jeweils einen Tag Urlaub nehmen. Trotzdem kommt es in einigen Fällen zu Auseinandersetzungen mit dem Chef. Manchmal wird dann traurig akzeptiert, dass an dem Tag gearbeitet werden muss und im darauffolgenden Jahr hat sich die Frage erübrigt.

Ferihan Yesil

(Foto: privat)

Wenn man bedenkt, dass Staat und Religion in Deutschland eigentlich getrennt sein sollen, stellt sich die Frage, wieso christlichen Feste als offizielle Feiertage gelten. Ist das nicht unfair anderen Religionen gegenüber? Vermutlich schon. Dennoch halte ich das Ausmaß der momentanen Debatte für übertrieben. Muslime haben viel größere Probleme in dieser Gesellschaft, die sie Tag für Tag betreffen.

Liest man die Kommentare zu de Maizières Vorschlag, wird klar, dass viele Menschen ein Bild von Muslimen im Kopf haben, die immer nur fordern und den Staat islamisieren wollen. Das ist unbegründet. Mir ist auch nicht bekannt, dass es irgendwelche großen Demonstrationen oder Ähnliches von Muslimen zu diesem Anlass gegeben hätte. Ich persönlich würde mich über einen Feiertag freuen, kann aber auch damit leben, wenn alles beim Alten bleibt."

Glaube und Religion Der muslimische Feiertag ist ein halbrichtiger Vorschlag zur falschen Zeit

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